GLP-1-Medikamente bei PCOS

Welche Rolle GLP-1-Medikamente bei PCOS spielen könnten und was über ihre Wirkung bisher bekannt ist.

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 2. September 2025

Forschungsbasierter Ratgeber

PCOS kann mit verschiedenen Stoffwechselveränderungen einhergehen, darunter Insulinresistenz und Übergewicht. Auch eine Gewichtsabnahme kann für betroffene Frauen erschwert sein. Neben etablierten Behandlungsansätzen wird deshalb zunehmend untersucht, welche Rolle GLP-1-basierte Medikamente bei PCOS spielen könnten.

Aktuelle Studien zeigen, dass GLP-1-Therapien bei PCOS vergleichbar effektiv sind wie bei Frauen ohne PCOS.  

Der Unterschied liegt in der Ausgangslage. Insulinresistenzen, hormonelle Dysbalancen und ein stärkerer Hunger können das Abnehmen bei PCOS erschweren. Genau hier setzen GLP-1-Medikamente an, indem sie den Appetit, das Insulin und den Stoffwechsel regulieren. 

Aktuelle Studien beschäftigen sich unter anderem mit den Auswirkungen auf Körpergewicht und Stoffwechselparameter. Doch wie aussagekräftig sind die bisherigen Ergebnisse, wie wirken GLP-1-Medikamente und was ist bei der Einordnung der Studienlage zu beachten?

Warum Abnehmen bei PCOS erschwert sein kann

Bei PCOS kann eine Gewichtsabnahme erschwert sein. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Insulinresistenz und erhöhte Androgenspiegel können ebenso beteiligt sein wie weitere hormonelle und metabolische Veränderungen. Das bedeutet nicht, dass eine Gewichtsabnahme bei PCOS grundsätzlich nicht möglich ist. Die zugrunde liegenden Stoffwechsel- und Hormonveränderungen können jedoch beeinflussen, wie der Körper auf Ernährungs- und Bewegungsmaßnahmen reagiert.

In diesem Zusammenhang werden auch GLP-1-basierte Medikamente wissenschaftlich untersucht. Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid beeinflussen unter anderem Appetit und Sättigung sowie die Regulation des Blutzuckers. Welche Auswirkungen solche Behandlungen speziell bei Frauen mit PCOS haben können, untersuchen aktuelle Studien. Die bisherige Forschung untersucht dabei unter anderem Veränderungen des Körpergewichts und verschiedener Stoffwechselparameter. Wie aussagekräftig die Ergebnisse sind und welche Schlussfolgerungen sich daraus für Frauen mit PCOS ziehen lassen, hängt unter anderem vom untersuchten Wirkstoff ab sowie davon, wer untersucht wurde.

Was ist PCOS?

Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine häufige hormonelle Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter. PCOS betrifft jedoch nicht nur den Zyklus, sondern kann mit verschiedenen hormonellen, reproduktiven und metabolischen Veränderungen einhergehen.

Typische Merkmale von PCOS

  • Erhöhte Androgenspiegel können sich unter anderem durch Akne, verstärkte Körperbehaarung oder Haarausfall bemerkbar machen.

  • Ovulationsstörungen können zu unregelmäßigen oder ausbleibenden Zyklen führen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

  • Insulinresistenz ist ein wichtiger Stoffwechselfaktor bei PCOS.

  • Auch weitere metabolische Veränderungen können bei PCOS eine Rolle spielen.

Gerade Insulinresistenz kann im Zusammenhang mit Körpergewicht und Stoffwechsel von Bedeutung sein.

Welche Faktoren können das Gewichtsmanagement bei PCOS beeinflussen?

  1. Insulinresistenz
    Insulin spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutzuckers und des Energiestoffwechsels. Bei einer Insulinresistenz reagieren Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin, sodass der Körper häufig mehr davon ausschüttet, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren.
    Insulinresistenz und ein höheres Körpergewicht können sich gegenseitig beeinflussen. Gleichzeitig können bereits Veränderungen des Körpergewichts und des Lebensstils positive Auswirkungen auf verschiedene Stoffwechselparameter haben.

  2. Erhöhte Androgenspiegel
    Erhöhte Androgenspiegel gehören zu den charakteristischen Merkmalen von PCOS und stehen im komplexen Zusammenhang mit Stoffwechsel und Körperfettverteilung. Wie stark diese Faktoren ausgeprägt sind, kann individuell variieren.

  3. Hunger und Sättigung
    Auch die Regulation von Hunger und Sättigung wird im Zusammenhang mit PCOS wissenschaftlich untersucht. Studien beschäftigen sich beispielsweise mit Hormonen wie Ghrelin und Leptin. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch nicht eindeutig und erlauben keine simple Aussage, dass Frauen mit PCOS grundsätzlich schneller Hunger entwickeln oder später satt sind.

  4. Energieverbrauch
    Ob PCOS grundsätzlich mit einem niedrigeren Energieverbrauch in Ruhe verbunden ist, wurde in verschiedenen Studien untersucht. Die bisherige Studienlage liefert dafür jedoch keine eindeutigen Hinweise. Unterschiede im individuellen Energiebedarf können dennoch eine Rolle beim Gewichtsmanagement spielen.

  5. Psychologische Faktoren

    PCOS kann auch mit einer erhöhten psychischen Belastung einhergehen. Depressive Symptome und Angststörungen treten bei betroffenen Frauen häufiger auf und können sich auf Wohlbefinden, Essverhalten und Lebensstil auswirken.

Fazit

PCOS kann mit verschiedenen hormonellen und metabolischen Faktoren einhergehen, die beim Gewichtsmanagement eine Rolle spielen. Wie stark diese ausgeprägt sind, kann sich jedoch von Person zu Person durchaus unterscheiden. Ernährung, Bewegung und weitere Maßnahmen des Gewichtsmanagements bleiben wichtige Bestandteile der Behandlung und können auch bei PCOS wirksam sein.

Welche Rolle können GLP-1-Medikamente bei PCOS spielen?

GLP-1-basierte Medikamente beeinflussen verschiedene Prozesse, die für Appetit, Sättigung und den Glukosestoffwechsel eine Rolle spielen. Da PCOS häufig mit Übergewicht und metabolischen Veränderungen wie Insulinresistenz einhergeht, wird ihr Einsatz bei Frauen mit PCOS zunehmend wissenschaftlich untersucht.

Mechanismus 1: Insulinresistenz und Glukosestoffwechsel

Insulinresistenz spielt bei PCOS häufig eine wichtige Rolle. Dabei reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin, wodurch der Körper mehr Insulin ausschütten kann, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

GLP-1-Rezeptoragonisten beeinflussen die Regulation des Blutzuckers und die glukoseabhängige Insulinausschüttung. Studien bei Frauen mit PCOS untersuchen zudem mögliche Auswirkungen auf die Insulinresistenz. Die bisherigen Ergebnisse sind jedoch nicht über alle Untersuchungen hinaus einheitlich.

Mechanismus 2: Appetit und Sättigung

GLP-1-basierte Medikamente beeinflussen Bereiche des Gehirns, die an der Regulation von Appetit und Nahrungsaufnahme beteiligt sind. Außerdem können sie die Magenentleerung verzögern. Diese Wirkmechanismen können dazu beitragen, die Energieaufnahme zu reduzieren.

Ob und in welchem Umfang PCOS selbst die Regulation von Hunger und Sättigung verändert, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Mechanismus 3: Hormonelle Veränderungen

PCOS ist häufig mit erhöhten Androgenspiegeln verbunden. In Studien wird deshalb auch untersucht, ob sich GLP-1-Rezeptoragonisten auf hormonelle Parameter auswirken.

Einzelne Untersuchungen zeigen Veränderungen bestimmter Androgenwerte. Die bisherige Studienlage erlaubt allerdings noch keine allgemeine Aussage darüber, welchen direkten Einfluss GLP-1-Rezeptoragonisten auf erhöhte Androgenspiegel oder damit verbundene Beschwerden bei PCOS haben.

Mechanismus 4: Körpergewicht und Stoffwechsel

GLP-1-Rezeptoragonisten werden bei Frauen mit PCOS insbesondere im Zusammenhang mit Gewichtsmanagement und metabolischen Veränderungen untersucht. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen Hinweise auf eine Verringerung des BMI bei Frauen mit PCOS und Übergewicht oder Adipositas. Die Aussagekraft für weitere Stoffwechselparameter ist je nach untersuchtem Endpunkt unterschiedlich.

Mechanismus 5: Zyklus und reproduktive Gesundheit

Auch mögliche Auswirkungen auf Zyklus und reproduktive Gesundheit werden untersucht. Einige Studien mit GLP-1-Rezeptoragonisten zeigen Hinweise auf Veränderungen der Zyklusregelmäßigkeit. Für belastbare Aussagen zu Ovulation, Fruchtbarkeit und anderen reproduktiven Endpunkten sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.

Was zeigen aktuelle Studien zu PCOS und Tirzepatid?

Eine 2026 im Journal of the Endocrine Society veröffentlichte Real-World-Studie untersuchte die Gewichtsveränderung unter Tirzepatid bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas mit und ohne selbst berichtetes PCOS.

Insgesamt wurden Daten von mehr als 50.000 Frauen ausgewertet, darunter 4.241 Frauen mit PCOS. Nach zehn Monaten lag die durchschnittliche Gewichtsveränderung bei den zu diesem Zeitpunkt noch erfassten Frauen mit PCOS bei −19,40 %. Bei Frauen ohne PCOS waren es −18,74 %. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch nicht signifikant.

Die Ergebnisse liefern damit Hinweise darauf, dass PCOS in dieser Untersuchung nicht mit einer geringeren Gewichtsabnahme unter Tirzepatid verbunden war. Bei der Einordnung ist jedoch zu berücksichtigen, dass es sich um eine rückblickende Auswertung von Versorgungsdaten handelt, die PCOS-Diagnose auf Selbstangaben beruhte und nach zehn Monaten nur noch für einen kleinen Teil der ursprünglichen Teilnehmerinnen Gewichtsdaten vorlagen.

Ernährung, Bewegung und Begleitung bei PCOS

Neben einer medikamentösen Behandlung spielen Ernährung, Bewegung sowie der Lebensstil beim PCOS-Management eine wichtige Rolle. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt jeweils von der individuellen gesundheitlichen Situation ab.

Ernährung

Für PCOS gibt es nicht die eine Ernährungsform, die sich grundsätzlich besser eignet als andere. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung, die sich langfristig in den Alltag integrieren lässt. Eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und Protein kann insbesondere während einer Gewichtsabnahme von Bedeutung sein.

Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wichtigen Bestandteilen des PCOS-Managements. Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining können dabei eine Rolle spielen. Gesundheitliche Vorteile durch Bewegung sind auch unabhängig von einer Gewichtsabnahme möglich.

Medizinische Begleitung

Da PCOS mit hormonellen und metabolischen Veränderungen einhergehen kann, können regelmäßige medizinische Kontrollen sinnvoll sein. Welche Werte dabei untersucht werden und in welchen Abständen, richtet sich nach der individuellen Situation und Behandlung.

Nahrungsergänzungsmittel

Auch Nahrungsergänzungsmittel werden im Zusammenhang mit PCOS untersucht. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu möglichen Effekten sind jedoch begrenzt und unterscheiden sich je nach Präparat und untersuchtem Endpunkt.

Langfristiges PCOS-Management

PCOS ist eine langfristige Erkrankung. Ernährung, Bewegung und medizinische Behandlung können dabei begleiten. Wie eine medikamentöse Behandlung gestaltet und wie lange sie fortgeführt wird, sollte individuell medizinisch entschieden werden.

PCOS, GLP-1 und Kinderwunsch

Bei PCOS können Zyklus und Eisprung beeinträchtigt sein. Veränderungen des Körpergewichts und des Stoffwechsels können dabei ebenfalls eine Rolle spielen. Ob und in welchem Umfang eine Behandlung mit GLP-1-basierten Medikamenten Auswirkungen auf Zyklus, Eisprung oder Fruchtbarkeit hat, wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Die bisherige Studienlage reicht dabei allerings nicht aus, um GLP-1-Medikamente als Behandlung zur Verbesserung der Fruchtbarkeit einzuordnen.

Was ist bei Kinderwunsch zu beachten?

Semaglutid (Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro) sollen während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei Kinderwunsch ist deshalb eine frühzeitige ärztliche Abstimmung wichtig.

Für die Planung einer Schwangerschaft gelten je nach Wirkstoff unterschiedliche Zeiträume: Semaglutid soll mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden, Tirzepatid mindestens einen Monat vorher. Tritt während der Behandlung eine Schwangerschaft ein, soll das jeweilige Medikament abgesetzt und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Auch das Thema Verhütung sollte während der Behandlung Beachtung finden. Welche Verhütungsmethode sich eignet und was bei einer geplanten Schwangerschaft zu beachten ist, kann individuell ärztlich besprochen werden.

FAQ

FAQ: GLP-1 & PCOS

Aktuelle Studien liefern Hinweise darauf, dass Frauen mit PCOS unter GLP-1-basierten Medikamenten ebenfalls Gewicht verlieren können. GLP-1-basierte Medikamente beeinflussen verschiedene Prozesse, die auch im Zusammenhang mit PCOS eine Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Appetit und Sättigung sowie die Regulation des Blutzuckers.

Die bisherigen Ergebnisse sprechen damit nicht dafür, dass PCOS grundsätzlich mit einer geringeren Gewichtsabnahme unter einer GLP-1-basierten Behandlung verbunden ist. Wie stark sich das Körpergewicht im Einzelfall verändert, lässt sich jedoch nicht vorhersagen.

Häufig verbessern GLP-1-Medikamente den PCOS-Zyklus, aber nicht bei allen Betroffenen. 

Viele Frauen mit PCOS berichten, dass sich ihr Zyklus im Verlauf einer GLP-1-Therapie stabilisiert. Der Hauptgrund dafür ist indirekt: Gewichtsverlust und eine verbesserte Insulinsensitivität können das hormonelle Gleichgewicht normalisieren. 

Wenn sich der Insulinspiegel und der Stoffwechsel verbessern, kann das zu

  • einer Reduktion erhöhter Androgene, 

  • regelmäßigen Eisprüngen 

  • und stabileren Menstruationszyklen führen. 

In Beobachtungsdaten berichten zahlreiche Patientinnen innerhalb der ersten Monate über regelmäßigere Zyklen. 

Wichtig ist jedoch: 

  • Der Effekt tritt nicht bei allen Frauen gleich schnell auf.

  • Hormonelle Veränderungen benötigen oft mehrere Monate.

Ja, auch während einer Behandlung mit GLP-1-basierten Medikamenten kann eine Schwangerschaft eintreten. Bei PCOS können Zyklus und Eisprung unregelmäßig sein. Veränderungen des Körpergewichts und des Stoffwechsels können sich auch auf den Zyklus auswirken, eine Schwangerschaft lässt sich daher nicht ausschließen.

Gleichzeitig sollen Semaglutid (z. B. Wegovy) und Tirzepatid (z. B. Mounjaro) nicht während einer Schwangerschaft angewendet werden. Frauen wird während der Behandlung Verhütung empfohlen.

Einige Studien bei Frauen mit PCOS zeigen Veränderungen der Androgenspiegel unter GLP-1. Oft senken GLP-1-Medikamente Androgene, vor allem indirekt über Gewichtsverlust und bessere Insulinsensitivität. Für eine allgemeine Aussage, dass GLP-1-Medikamente den Testosteronspiegel bei PCOS senken, reicht die derzeitige Studienlage nicht aus.