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GLP-1 und das Sehvermögen: Was Anwender von Ozempic und Mounjaro wissen sollten

GLP-1-Medikamente wie Wegovy und Mounjaro verändern die Behandlung von Adipositas grundlegend, doch einige aktuelle Studien haben diese Therapien mit möglichen Nebenwirkungen an den Augen in Verbindung gebracht. Hier erfährst Du, was die neuesten Forschungsergebnisse zeigen.

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 29. September 2026

Forschungsbasierter Ratgeber

GLP-1-Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid werden heute häufig zur Gewichtsreduktion und zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Du kennst sie vielleicht unter ihren Markennamen: Ozempic und Wegovy (Semaglutid) sowie Mounjaro (Tirzepatid).

Wie alle Medikamente können auch GLP-1-Rezeptoragonisten Nebenwirkungen verursachen, die jedoch meist mild und vorübergehend sind. In letzter Zeit haben Schlagzeilen Fragen zu möglichen Auswirkungen auf die Augen aufgeworfen – von kurzfristig verschwommenem Sehen bis hin zu sehr seltenen Augenerkrankungen.

Wichtige Erkenntnisse:

  • Schwere Nebenwirkungen an den Augen im Zusammenhang mit GLP-1-Medikamenten sind sehr selten; die meisten Anwender:innen sind nicht betroffen.

  • GLP-1-Medikamente senken den Blutzuckerspiegel, was bei Menschen mit Diabetes in Einzelfällen Auswirkungen auf die Augen haben kann. Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen helfen dabei, mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

  • Eine Erkrankung namens Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) wurde mit Semaglutid in Verbindung gebracht. Europäische Behörden bestätigen jedoch, dass dieses Risiko sehr selten ist.

  • Wegovy scheint stärker mit NAION in Verbindung zu stehen als Ozempic, vermutlich aufgrund der höheren Dosierung. Für Mounjaro wurde kein erhöhtes Risiko festgestellt.

  • Plötzliche Veränderungen der Sehkraft sollten immer als Notfall behandelt werden. Eine augenärztliche Notfallstelle ist die erste Anlaufstelle.

Besteht ein Zusammenhang zwischen GLP-1-Medikamenten und Sehproblemen? 

Kurz gesagt: Schwere Nebenwirkungen an den Augen sind bei der Anwendung von GLP-1-Medikamenten wie Wegovy und Mounjaro selten.

Ausführlicher erklärt: Die meisten Menschen, die Abnehmspritzen verwenden, entwickeln keine dauerhaften Sehprobleme. Einige berichten jedoch in den ersten Wochen der Behandlung von vorübergehend verschwommenem Sehen. Das hängt häufig mit der blutzuckersenkenden Wirkung der Medikamente zusammen und verbessert sich in der Regel, sobald sich der Körper an die Behandlung gewöhnt hat.

GLP-1-Medikamente können außerdem das Durstgefühl, ähnlich wie den Appetit, verringern. Dadurch trinkt man möglicherweise weniger, ohne es zu bemerken. Dehydrierung kann die Augen austrocknen und ebenfalls zu verschwommenem Sehen führen. Daher ist besonders zu Beginn der Behandlung darauf zu achten, regelmäßig Wasser zu trinken. Zusätzlich können konservierungsmittelfreie, befeuchtende Augentropfen hilfreich sein.

Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes kann sich eine bestehende diabetische Retinopathie (krankhafte Veränderungen der Netzhaut) vorübergehend verschlechtern, wenn sich der Blutzucker schnell verbessert. Das ist jedoch kein spezifischer Effekt von GLP-1-Medikamenten, sondern kann auch bei anderen wirksamen Diabetesbehandlungen auftreten.

Schlagzeilen über „Sehverlust durch Wegovy“ oder „Mounjaro und Sehkraft“ beziehen sich meist auf seltene Erkrankungen, die derzeit noch untersucht werden, darunter Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION) sowie die sogenannte feuchte altersbedingte Makuladegeneration (wet AMD). Wir erklären beide im Folgenden genauer.

Fragen zu Übergewicht und Adipositas?

Ein ärztliches Gespräch klärt, welche Behandlungswege infrage kommen.

Welche Augenprobleme werden im Zusammenhang mit GLP-1-Medikamenten berichtet?

Auch wenn schwerwiegende Nebenwirkungen selten sind, beobachten Forscher:innen bestimmte Augenerkrankungen bei Menschen, die GLP-1-Medikamente verwenden, genauer. Die meisten werden diese Probleme nie erleben. Dennoch ist es sinnvoll zu wissen, worauf geachtet wird und welche Symptome auftreten können.

Diabetische Retinopathie (bei Menschen mit Diabetes)

Die diabetische Retinopathie ist eine Schädigung der feinen Blutgefäße in der Netzhaut, verursacht durch langfristig erhöhte Blutzuckerwerte. Diese Gefäße können anschwellen oder Flüssigkeit abgeben, was zu verschwommenem oder verzerrtem Sehen führen kann. Regelmäßige Augenuntersuchungen helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Sehkraft zu schützen.

Was wir bisher wissen:

  • In einer Studie zu Wegovy bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wurde diabetische Retinopathie bei 4 % der Anwender:innen von Semaglutid berichtet, verglichen mit 2,7 % unter Placebo.

  • Laut Beipackzettel gilt „diabetische Retinopathie bei Patient:innen mit Typ-2-Diabetes“ als häufige Nebenwirkung (mindestens 1 von 100 Betroffenen).

  • In Studien zu Mounjaro lag die Rate neuer Retinopathie-Ereignisse bei ≤ 1 %. Allerdings wurden viele Personen mit moderater oder schwerer Retinopathie nicht in die Studien eingeschlossen. Regelmäßige Augenkontrollen bleiben daher besonders wichtig, wenn bereits diabetesbedingte Augenprobleme bestehen.

Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie (NAION)

Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie ist eine seltene Erkrankung des Sehnervs, die zu einem plötzlichen, meist schmerzlosen Sehverlust auf einem Auge führen kann. Die Ursache ist eine verminderte Durchblutung des Sehnervs.

Was wir bisher wissen:

  • Im Juni 2025 kamen europäische Arzneimittelbehörden zu dem Schluss, dass NAION eine sehr seltene Nebenwirkung von Semaglutid ist.

  • Eine spezialisierte Augenklinik berichtete über mehr NAION-Diagnosen bei Menschen mit Semaglutid-Verordnung im Vergleich zu anderen Medikamenten. Da es sich jedoch um bereits überwiesene Personen handelte, lassen sich daraus keine allgemeinen Rückschlüsse ziehen.

  • Eine große Studie mit 159.398 Menschen mit Typ-2-Diabetes zeigte NAION bei 0,04 % der GLP-1-Anwender:innen gegenüber 0,02 % bei anderen Therapien – das absolute Risiko bleibt sehr gering.

  • Eine der größten Analysen weltweit ergab: Von 31.774 gemeldeten Fällen zu Semaglutid betrafen nur 85 den Sehnerv. Wegovy zeigte dabei eine stärkere Verbindung als Ozempic – vermutlich aufgrund der höheren Dosierung. Mounjaro wurde nicht mit einem erhöhten Risiko in Verbindung gebracht.

  • Wegovy ist inzwischen in höheren Dosierungen verfügbar, jedoch liegen hierzu noch keine ausreichenden Daten vor. Wichtig: Die meisten Anwender:innen berichten keinerlei Augenprobleme.

Feuchte altersbedingte Makuladegeneration (wet AMD)

Die feuchte altersbedingte Makuladegeneration (nAMD) ist eine Erkrankung, bei der sich neue, fragile Blutgefäße unter der Netzhaut bilden, die Flüssigkeit abgeben können. Dadurch kann das zentrale Sehen verschwimmen oder verzerrt werden. Die Erkrankung ist behandelbar, insbesondere durch frühzeitige Therapie mit speziellen augenärztlichen Injektionen.

Was wir bisher wissen:

  • Eine Studie aus dem Jahr 2025 mit 139.002 älteren Menschen mit Diabetes zeigte eine Diagnose von wet AMD bei 0,2 % der GLP-1-Anwender:innen gegenüber 0,1 % bei anderen.

  • Da es sich um eine retrospektive Studie handelt, lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang nachweisen. Der Unterschied war insgesamt sehr gering (etwa ein zusätzlicher Fall pro 1.000 Personen).

Augenprobleme und GLP-1: Was sollte man wissen?

Für die meisten bleiben GLP-1-Medikamente sicher und wirksam. Das Risiko schwerer Augenkomplikationen ist gering. Insgesamt können GLP-1-Behandlungen sogar langfristig positiv zur Augengesundheit beitragen, da sie die Stoffwechselgesundheit verbessern.

Die Empfehlungen unterscheiden sich leicht – je nachdem, ob Diabetes oder eine Augenerkrankung vorliegt.

Ohne Diabetes: Schwere Nebenwirkungen an den Augen sind weiterhin sehr selten. Es werden keine zusätzlichen Augenuntersuchungen über die regulären Kontrollen hinaus benötigt. Wer jedoch bereits Augenerkrankungen oder Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder familiäre Vorbelastungen hat, sollte den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin über den Beginn der GLP-1-Behandlung informieren.

Bei Typ-2-Diabetes: Die Ärztin oder der Arzt sollte informiert werden, dass mit einer GLP-1-Therapie begonnen wird. Es kann sinnvoll sein, nach etwa 3 Monaten eine Blutuntersuchung (z. B. HbA1c) einzuplanen. Weiterhin sind regelmäßige Augen-Screenings wichtig. Veränderungen der Sehkraft sollten frühzeitig gemeldet werden.

Bei Diabetes mit bekannter Augenerkrankung (z. B. Retinopathie oder Makulaödem): Vor Beginn der Behandlung sollte eine Augenklinik aufgesucht werden. Die Fachleute können entscheiden, was sinnvoll ist, und eventuell eine Ausgangsuntersuchung sowie engmaschigere Kontrollen in den ersten Monaten empfehlen.

Was tun bei Sehstörungen unter Wegovy oder Mounjaro?

Wer ein GLP-1-Medikament wie Wegovy oder Mounjaro nutzt und Veränderungen der Sehkraft bemerkt, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Suche noch am selben Tag medizinische Hilfe, wenn Du

  • plötzlichen Sehverlust oder eine deutliche Verschlechterung bemerkst,

  • einen dunklen Schatten, Lichtblitze oder viele neue „schwebende Punkte“ siehst oder

  • starke Augenschmerzen oder Sehverlust zusammen mit Kopfschmerzen oder Übelkeit hast.

Vereinbare innerhalb von 24 bis 48 Stunden einen Termin, wenn Du

  • eine schleichende Verschlechterung Deiner Sehkraft über Stunden oder Tage bemerkst oder

  • anhaltend verschwommen siehst, ohne dass es sich nach einigen Tagen bessert.

Auch die verschreibende Ärztin oder der verschreibende Arzt des GLP-1-Medikaments sollte informiert werden. Möglicherweise wird dazu geraten, die Behandlung vorübergehend zu pausieren, bis eine Abklärung erfolgt ist.

FAQ: GLP-1 & Sehkraft

Die bisherigen Daten sind beruhigend: In klinischen Studien berichteten weniger als 1 % der Teilnehmer:innen über diabetische Retinopathie. Allerdings wurden viele Personen mit bestehenden Augenerkrankungen nicht in die Studien eingeschlossen.

Die bislang größte globale Analyse (über 30 Millionen Datensätze) zeigte kein erhöhtes Risiko für Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie unter Tirzepatid (dem Wirkstoff in Mounjaro). Im Gegensatz zu Semaglutid wirkt Tirzepatid auf zwei Rezeptoren (GLP-1 und GIP). Forschende vermuten, dass dies eine mögliche Erklärung dafür ist, warum kein erhöhtes Augenrisiko festgestellt wurde – weitere Studien sind jedoch notwendig.

Wenn Du Diabetes oder eine bekannte Augenerkrankung hast, solltest Du Deine regelmäßigen Augenuntersuchungen fortführen und neue Symptome frühzeitig abklären lassen.

Aktuelle Studien zeigen, dass Wegovy stärker mit Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie in Verbindung gebracht wird als Ozempic. Dies wird durch die höhere Dosierung erklärt (2,4 mg vs. bis zu 2 mg), wodurch mehr Wirkstoff gleichzeitig im Körper aktiv ist.

Inzwischen sind für Wegovy auch höhere Dosierungen (bis zu 7,2 mg) verfügbar, jedoch fehlen hierzu noch aussagekräftige Daten. Wichtig: NAION bleibt bei beiden Medikamenten sehr selten und ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist bislang nicht bewiesen.

In vielen Fällen ja. Vorübergehend verschwommenes Sehen kann in den ersten Wochen auftreten, während sich Dein Blutzucker anpasst. Meist verbessert sich das, sobald sich Deine Werte stabilisieren.

Auch Dehydrierung oder trockene Augen können die Symptome verstärken. Wenn sich Deine Sehkraft plötzlich verschlechtert oder die Beschwerden anhalten, solltest Du zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Die meisten haben keine oder nur vorübergehende Beschwerden wie verschwommenes Sehen oder trockene Augen. Sehr selten kann es zu einer Verschlechterung einer bestehenden diabetischen Retinopathie kommen, insbesondere bei schneller Verbesserung des Blutzuckers.

Auch seltene Erkrankungen wie Nichtarteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie wurden untersucht. Insgesamt ist das Risiko jedoch gering. Menschen mit Diabetes oder bestehenden Augenerkrankungen sollten engmaschiger überwacht werden.

Quellen

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“Association of GLP-1 Receptor Agonists with Nonarteritic Anterior Ischemic Optic Neuropathy.” JAMA Ophthalmology, vol. 143, no. 7, 2025, pp. 611–19, https://jamanetwork.com/journals/jamaophthalmology/article-abstract/2829326.

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PRAC Concludes Eye Condition (NAION) Very Rare Side Effect of Semaglutide Medicines (Ozempic, Rybelsus, Wegovy).” European Medicines Agency, 27 June 2025, www.ema.europa.eu/en/news/prac-concludes-eye-condition-naion-very-rare-side-effect-semaglutide-medicines-ozempic-rybelsus-wegovy.

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