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Hilft die regelmäßige Nutzung Ihrer Abnehm-App tatsächlich mehr Gewicht zu verlieren? Welche Rolle spielt die digitale Begleitung neben der medikamentösen Behandlung?

Eine im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Beobachtungsstudie mit 57.975 Teilnehmenden untersuchte diesen Zusammenhang. Nach fünf Monaten hatten Personen, die das digitale Programm einschließlich App-Nutzung, Gewichtsdokumentation und Coaching aktiver nutzten, durchschnittlich 11,5 % ihres Ausgangsgewichts verloren. Bei weniger aktiven Teilnehmenden waren es 8,0 %. Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen stärkerem Engagement und größerer Gewichtsabnahme. Ob die digitale Begleitung selbst für den Unterschied verantwortlich war, lässt sich aus der Studie jedoch nicht eindeutig ableiten.

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 3. November 2025

Forschungsbasierter Ratgeber

„Reicht das Medikament nicht aus?“ „Muss ich die App wirklich regelmäßig nutzen?“ „Ich nehme doch schon Mounjaro oder Wegovy – warum sollte ich zusätzlich mein Gewicht dokumentieren?“

Diese Fragen sind nachvollziehbar. GLP-1-basierte Medikamente beeinflussen den Appetit und das Sättigungsgefühl. Welche zusätzliche Rolle eine digitale Begleitung bei der Gewichtsabnahme spielen kann, ist deshalb eine interessante Frage.

Eine im Journal of Medical Internet Research (JMIR) veröffentlichte Beobachtungsstudie untersuchte dazu die Daten von 57.975 Teilnehmenden eines digital begleiteten Gewichtsmanagementprogramms.

Nach fünf Monaten hatten Teilnehmende mit höherem Engagement durchschnittlich 11,5 % ihres Ausgangsgewichts verloren. Bei Teilnehmenden mit geringerem Engagement waren es 8,0 %. Berücksichtigt wurden dabei unter anderem die App-Nutzung, die Gewichtsdokumentation und die Teilnahme am Coaching.

Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen stärkerem Engagement im digitalen Programm und einer größeren Gewichtsabnahme. Ob die häufigere Nutzung selbst für den Unterschied verantwortlich war, lässt sich daraus jedoch nicht eindeutig ableiten.

In diesem Artikel schauen wir uns die Studienergebnisse genauer an und erklären, welche Rolle digitale Unterstützung bei der Gewichtsregulierung spielen kann.

Die Studienergebnisse: Zahlen, die überzeugen

Viele Menschen fragen sich: „Wenn ich bereits ein GLP-1-basiertes Medikament nehme, welche Rolle spielt dann noch die digitale Begleitung?“

Medikamente wie Mounjaro oder Wegovy beeinflussen den Appetit und das Sättigungsgefühl. Digitale Angebote können ergänzend dabei helfen, die Gewichtsentwicklung zu dokumentieren und Ernährungs- oder Bewegungsgewohnheiten im Blick zu behalten.

Doch wie hängt die Nutzung solcher Angebote mit der Gewichtsabnahme zusammen?

Die JMIR-Studie: Digitales Engagement und Gewichtsverlust

Im März 2025 wurde im Journal of Medical Internet Research (JMIR) eine wissenschaftlich begutachtete Beobachtungsstudie veröffentlicht, die Daten aus dem digitalen Gewichtsmanagementprogramm von Voy untersuchte.

Was wurde untersucht?

  • 57.975 Teilnehmende, die Semaglutid oder Tirzepatid zur Gewichtsregulierung anwendeten

  • Ein Beobachtungszeitraum von bis zu fünf Monaten

  • Der Zusammenhang zwischen digitalem Engagement und Gewichtsverlust

Zum digitalen Engagement zählten unter anderem die App-Nutzung, die regelmäßige Gewichtsdokumentation und die Teilnahme an Coaching-Angeboten.

Hauptfindung 1: Höheres Engagement war mit größerem Gewichtsverlust verbunden

Die Studie zeigte einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen digitalem Engagement und Gewichtsabnahme.

Teilnehmende mit höherem Engagement verloren nach fünf Monaten durchschnittlich 11,5 % ihres Ausgangsgewichts. Bei Teilnehmenden mit geringerem Engagement waren es 8,0 %. Das entspricht einem Unterschied von rund 3,5 Prozentpunkten.

Was bedeutet das konkret?

Bei einem Ausgangsgewicht von 100 kg entspräche dies rechnerisch einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von 11,5 kg gegenüber 8,0 kg.

Wichtig ist jedoch: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, keinen eindeutigen Ursache-Wirkungs-Nachweis. Andere Faktoren, beispielsweise Unterschiede in der Motivation, der Behandlung oder den Lebensgewohnheiten, könnten die Ergebnisse ebenfalls beeinflusst haben.

Hauptfindung 2: Gewichtsverlustziele wurden häufiger erreicht

Neben dem durchschnittlichen Gewichtsverlust untersuchte die Studie, wie häufig Teilnehmende bestimmte Gewichtsverlustschwellen erreichten.

Personen mit höherem digitalem Engagement erreichten im Untersuchungszeitraum signifikant häufiger eine Gewichtsabnahme von mindestens 5 %, 10 % oder 15 % ihres Ausgangsgewichts.

Bereits eine Gewichtsabnahme von 5 % kann bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas mit gesundheitlichen Verbesserungen verbunden sein, beispielsweise bei bestimmten Stoffwechselwerten.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass stärkeres Engagement im digitalen Programm mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden war, solche Gewichtsverlustziele zu erreichen. Ob die App-Nutzung selbst dafür verantwortlich war, lässt sich daraus nicht sicher ableiten.

Hauptfindung 3: Gewichtsverlustziele wurden früher erreicht

Die Studie untersuchte auch, wie schnell die Teilnehmenden bestimmte Gewichtsverlustschwellen erreichten.

Dabei zeigte sich, dass Personen mit höherem digitalem Engagement die Schwellen von mindestens 5 %, 10 % und 15 % Gewichtsverlust im Beobachtungszeitraum signifikant früher erreichten als Personen mit geringerem Engagement.

Das ist ein weiterer Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen digitalem Engagement und dem Verlauf der Gewichtsabnahme.

Ob diese Unterschiede auch langfristig bestehen bleiben oder zu einer besseren Gewichtsstabilisierung nach der Behandlung führen, wurde in der fünfmonatigen Untersuchung jedoch nicht geklärt.

Welche Rolle kann regelmäßiges Tracking spielen?

Regelmäßige Gewichtsdokumentation kann dabei helfen, die eigene Gewichtsentwicklung über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Auch Veränderungen oder Phasen mit geringer Gewichtsabnahme können dadurch sichtbarer werden.

Digitale Angebote können außerdem die Reflexion von Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten unterstützen.

Die JMIR-Studie untersuchte allerdings nicht gesondert, ob regelmäßiges Tracking dazu führt, dass Gewichtsplateaus schneller erkannt oder überwunden werden.

Bei Fragen zum Behandlungsverlauf oder zu möglichen Anpassungen der Medikation sollte deshalb immer das behandelnde medizinische Team einbezogen werden.

Fragen zu Übergewicht und Adipositas?

Ein ärztliches Gespräch klärt, welche Behandlungswege infrage kommen.

Warum kann digitales Engagement beim Abnehmen helfen? Sechs mögliche Mechanismen

Die im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang zwischen stärkerem digitalem Engagement und einer größeren Gewichtsabnahme. Warum dieser Zusammenhang besteht, lässt sich aus den Studiendaten allein jedoch nicht eindeutig erklären.

Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung liefern mögliche Erklärungen dafür, wie digitale Angebote die Gewichtsregulierung unterstützen können.

Mechanismus 1: Selbstmonitoring

Das Prinzip: Wer seine Gewohnheiten beobachtet, kann Muster leichter erkennen.

Wenn Du regelmäßig Dein Gewicht, Deine Ernährung oder Deine Bewegung dokumentierst, kannst Du Veränderungen über einen längeren Zeitraum nachvollziehen.

Vielleicht bemerkst Du beispielsweise, dass sich Deine Essgewohnheiten am Wochenende von denen unter der Woche unterscheiden. Solche Erkenntnisse können Dir helfen, Deine Routinen bewusster zu gestalten.

Selbstmonitoring ist eine etablierte Technik der Verhaltensänderung und wird auch in Programmen zur Gewichtsregulierung eingesetzt.

Wichtig ist dabei, dass die Dokumentation zu Deinen Bedürfnissen passt und Dich unterstützt, statt zusätzlichen Druck auszulösen.

Mechanismus 2: Regelmäßige Begleitung und Verbindlichkeit

Der Austausch mit einer betreuenden Fachperson kann dabei helfen, Fragen zu klären, Schwierigkeiten anzusprechen und gemeinsam realistische Ziele festzulegen.

Regelmäßige Coaching-Gespräche können außerdem eine Gelegenheit bieten, bisherige Fortschritte zu reflektieren und mögliche Anpassungen im Alltag zu besprechen.

Ob und in welchem Umfang eine solche Begleitung die Therapietreue oder die langfristige Gewichtsabnahme verbessert, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab.

Mechanismus 3: Veränderungen frühzeitig erkennen

Wenn Du Deine Gewichtsentwicklung regelmäßig dokumentierst, können Veränderungen oder Phasen mit geringer Gewichtsabnahme leichter sichtbar werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes Gewichtsplateau ein Problem darstellt oder sofort eine Anpassung erforderlich ist. Gewichtsschwankungen und Phasen mit langsamerem Fortschritt sind während einer Gewichtsabnahme häufig.

Digitale Aufzeichnungen können eine hilfreiche Grundlage sein, um solche Entwicklungen bei Bedarf mit einer medizinischen Fachperson zu besprechen.

Die JMIR-Studie hat nicht untersucht, ob App-Nutzung Gewichtsplateaus schneller überwinden lässt.

Mechanismus 4: Feedback und Motivation

Fortschrittsgrafiken, Meilensteine oder regelmäßige Rückmeldungen können dabei helfen, Entwicklungen sichtbar zu machen.

Vielleicht motiviert es Dich, zu sehen, wie sich Dein Gewicht über mehrere Wochen verändert hat oder wie regelmäßig Du bestimmte Gewohnheiten umgesetzt hast.

Dabei muss sich Fortschritt nicht ausschließlich auf die Zahl auf der Waage beziehen. Auch Veränderungen bei Bewegung, Ernährung oder Wohlbefinden können wichtige persönliche Erfolge sein.

Wie motivierend solche Rückmeldungen wirken, ist individuell unterschiedlich.

Mechanismus 5: Individuelle Unterstützung

Durch regelmäßige Dokumentation können Muster im Alltag sichtbar werden, die im Gespräch mit einer betreuenden Fachperson aufgegriffen werden können.

Vielleicht fällt Dir auf, dass Du an stressigen Tagen unregelmäßiger isst oder bestimmte Mahlzeiten häufig auslässt.

Solche Informationen können helfen, gemeinsam alltagstaugliche Strategien zu entwickeln, die zu Deinen Bedürfnissen passen.

Ob personalisierte digitale Begleitung zu einer größeren Gewichtsabnahme führt, lässt sich aus der JMIR-Studie allein jedoch nicht feststellen.

Mechanismus 6: Gewohnheiten entwickeln

Langfristige Veränderungen im Alltag entstehen häufig durch wiederholte Handlungen.

Wenn Du beispielsweise regelmäßig Deine Mahlzeiten planst oder Deine Bewegung dokumentierst, kann es mit der Zeit leichter werden, diese Aktivitäten in Deinen Tagesablauf einzubauen.

Digitale Erinnerungen oder einfache Dokumentationsmöglichkeiten können Dich dabei unterstützen.

Allerdings entwickelt nicht jede Person durch regelmäßige App-Nutzung automatisch stabile Gewohnheiten. Entscheidend ist, dass die gewählten Routinen langfristig zu Deinem Alltag passen und sich ohne übermäßigen Aufwand umsetzen lassen.

Die Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mehr ist besser

Die im Journal of Medical Internet Research veröffentlichte Beobachtungsstudie mit insgesamt 57.975 Teilnehmenden untersuchte den Zusammenhang zwischen digitalem Engagement und Gewichtsverlust über einen Zeitraum von bis zu fünf Monaten.

Dabei wurden zwei Gruppen verglichen: Teilnehmende, die sich aktiv mit dem digitalen Programm beschäftigten, und Teilnehmende mit geringerem Engagement. Berücksichtigt wurden unter anderem App-Nutzung, Gewichtsdokumentation und Coaching-Teilnahme.

Engagement und Gewichtsverlust nach fünf Monaten

Ergebnis

Geringeres Engagement

Höheres Engagement

Durchschnittlicher Gewichtsverlust

8,0 %

11,5 %

Mindestens 5 % Gewichtsverlust erreicht

37,0 %

61,0 %

Mindestens 10 % Gewichtsverlust erreicht

18,3 %

39,4 %

Mindestens 15 % Gewichtsverlust erreicht

10,8 %

17,2 %

Die Angaben beziehen sich auf die jeweils verfügbaren Daten nach fünf Monaten. Die Zahl der ausgewerteten Teilnehmenden nahm im Studienverlauf ab.

Der durchschnittliche Gewichtsverlust unterschied sich zwischen den Gruppen um rund 3,5 Prozentpunkte. Bei einem Ausgangsgewicht von 100 kg entspräche dies rechnerisch einer Differenz von etwa 3,5 kg.

Auch bestimmte Gewichtsverlustziele wurden in der Gruppe mit höherem Engagement häufiger erreicht. So verloren 39,4 % dieser Teilnehmenden mindestens 10 % ihres Ausgangsgewichts, verglichen mit 18,3 % in der Gruppe mit geringerem Engagement.

Bei einer Gewichtsabnahme von mindestens 15 % lagen die Anteile bei 17,2 % beziehungsweise 10,8 %.

Was lässt sich daraus schließen?

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen statistischen Zusammenhang zwischen digitalem Engagement und größerer Gewichtsabnahme während der medikamentösen Behandlung.

Sie belegen jedoch nicht, dass die App-Nutzung allein für die Unterschiede verantwortlich war oder die Wirkung der Medikamente unmittelbar verstärkt. Auch andere Faktoren, etwa Motivation, individuelle Voraussetzungen oder Unterschiede im Behandlungsverlauf, können eine Rolle gespielt haben.

Ob eine intensivere Nutzung des digitalen Programms zu entsprechend größeren Gewichtsverlusten führt, müsste in weiteren Studien untersucht werden.

Häufiger Einwände (und was die Daten dazu sagen)

Einwand 1: „Ich habe keine Zeit für ständiges App-Logging.“

Das ist verständlich. Im Alltag bleibt oft wenig Zeit, um zusätzlich das Gewicht, Mahlzeiten oder andere Gewohnheiten zu dokumentieren.

Allerdings muss digitales Engagement nicht bedeuten, dass Du jeden Tag jede Mahlzeit erfasst. Auch regelmäßige Gewichtseinträge oder der Austausch mit einer betreuenden Fachperson können Teil der digitalen Begleitung sein.

Die JMIR-Studie zeigte einen Zusammenhang zwischen höherem Engagement und größerer Gewichtsabnahme. Sie untersuchte jedoch nicht, wie viele Minuten tägliche App-Nutzung oder wie viele Einträge pro Woche dafür notwendig sind.

Entscheidend ist deshalb, eine Form der Dokumentation zu finden, die zu Deinem Alltag passt und Dich langfristig unterstützt.

Einwand 2: „Ich bin nicht besonders technikaffin.“

Nicht jeder Mensch nutzt digitale Anwendungen gleich selbstverständlich. Das ist kein Hindernis, das sich grundsätzlich nicht überwinden lässt.

Wenn Du eine App zur Unterstützung Deiner Behandlung verwenden möchtest, kann es helfen, zunächst nur einzelne Funktionen kennenzulernen, beispielsweise die Gewichtsdokumentation.

Ob digitale Begleitung für Dich hilfreich ist, hängt unter anderem davon ab, wie verständlich und zugänglich das Angebot gestaltet ist und ob Du bei Fragen Unterstützung erhältst.

Aus den Ergebnissen der JMIR-Studie lässt sich jedoch nicht pauschal ableiten, dass das Alter keinen Einfluss auf die Nutzung digitaler Angebote hat.

Einwand 3: „Sollte das Medikament nicht ausreichen?“

GLP-1-basierte Medikamente beeinflussen den Appetit und das Sättigungsgefühl und können eine deutliche Gewichtsabnahme ermöglichen.

Eine digitale Begleitung kann ergänzend dabei helfen, die Gewichtsentwicklung zu beobachten und Veränderungen im Alltag zu reflektieren.

In der JMIR-Studie verloren Teilnehmende mit höherem digitalem Engagement nach fünf Monaten durchschnittlich 11,5 % ihres Ausgangsgewichts. Bei geringerem Engagement waren es 8,0 %.

Bei einem Ausgangsgewicht von 100 kg entspricht das rechnerisch einem Unterschied von etwa 3,5 kg.

Allerdings lässt sich daraus nicht schließen, dass die App die Medikamentenwirkung unmittelbar verstärkt oder allein für den Unterschied verantwortlich ist.

Einwand 4: „Ist das nicht nur Korrelation und keine Kausalität?“

Ja, das ist eine wichtige Unterscheidung.

Bei der JMIR-Studie handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt, dass stärkeres digitales Engagement mit einer größeren Gewichtsabnahme verbunden war. Ob die App-Nutzung selbst zu dieser zusätzlichen Gewichtsabnahme geführt hat, lässt sich daraus nicht feststellen.

Beispielsweise könnten Menschen, die motivierter sind oder ihre Behandlung konsequenter umsetzen, sowohl die App häufiger nutzen als auch mehr Gewicht verlieren.

Die große Stichprobe und die statistisch signifikanten Ergebnisse machen den beobachteten Zusammenhang wissenschaftlich interessant. Sie ersetzen jedoch keinen kausalen Wirksamkeitsnachweis.

Unabhängig davon können Funktionen wie Gewichtsdokumentation, Erinnerungen und Coaching praktische Hilfsmittel sein, um den eigenen Behandlungsverlauf zu begleiten.

Ob und in welchem Umfang Du davon profitierst, ist individuell unterschiedlich.

Protein: Das untrennbare Duo mit dem Krafttraining

Protein: Eine wichtige Ergänzung zum Krafttraining

Krafttraining setzt Reize für den Erhalt und Aufbau der Muskulatur. Damit der Körper diese Prozesse unterstützen kann, benötigt er unter anderem ausreichend Protein.

In wissenschaftlichen Veröffentlichungen werden für Menschen, die während einer medikamentös unterstützten Gewichtsabnahme ihre Muskelmasse erhalten möchten, häufig etwa 1,2 bis 1,6 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich als Orientierungsbereich genannt. Wie viel Protein individuell sinnvoll ist, hängt jedoch unter anderem vom Alter, der körperlichen Aktivität, dem Gesundheitszustand und der Körperzusammensetzung ab.

Bei der Anwendung von GLP-1-basierten Medikamenten kann die Proteinzufuhr eine besondere Herausforderung darstellen: Durch das verringerte Hungergefühl essen manche Menschen insgesamt weniger und nehmen dadurch möglicherweise auch weniger Protein auf.

Folgende Maßnahmen können helfen, die Proteinzufuhr im Alltag zu unterstützen:

  • Proteinreiche Lebensmittel in Mahlzeiten einbauen: Beispielsweise Eier, Hüttenkäse, Hülsenfrüchte, Tofu, Fisch oder mageres Fleisch.

  • Die Proteinzufuhr über den Tag verteilen: So lässt sich der individuelle Bedarf häufig leichter decken.

  • Bei Bedarf Proteinshakes ergänzen: Wenn es über die normale Ernährung schwierig ist, ausreichend Protein aufzunehmen, können Shakes eine praktische Ergänzung sein. Sie sind jedoch nicht grundsätzlich notwendig.

  • Auf unterschiedliche Proteinquellen achten: Tierische und pflanzliche Lebensmittel können zur Proteinversorgung beitragen. Bei pflanzlicher Ernährung kann eine abwechslungsreiche Kombination verschiedener Proteinquellen sinnvoll sein.

Besonders während einer Gewichtsabnahme kann die Kombination aus regelmäßigem Krafttraining und ausreichender Proteinzufuhr dabei helfen, Muskelmasse möglichst gut zu erhalten.

Bei bestimmten Erkrankungen, insbesondere einer eingeschränkten Nierenfunktion, sollte die geeignete Proteinzufuhr individuell medizinisch abgeklärt werden.

Ausführliche Informationen findest Du in unserem weiterführenden Ratgeber zur Proteinzufuhr während der Gewichtsabnahme.

Praktische Tipps: So kannst Du digitale Begleitung im Alltag nutzen

Tipp 1: Verknüpfe die App-Nutzung mit bestehenden Routinen

Neue Gewohnheiten lassen sich häufig leichter etablieren, wenn Du sie mit bereits bestehenden Abläufen verbindest.

Beispiele:

  • Nach dem morgendlichen Aufstehen: Dein Gewicht dokumentieren, sofern regelmäßiges Wiegen für Dich sinnvoll ist.

  • Nach einer Mahlzeit: Bei Bedarf einen kurzen Ernährungseintrag machen.

  • Am Sonntagabend: Deine Fortschritte reflektieren oder ein Update für Deinen Coach vorbereiten.

Wichtig ist, dass die Routinen zu Deinem Alltag passen und keinen zusätzlichen Druck erzeugen.

Tipp 2: Setze Erinnerungen gezielt ein

Erinnerungen können helfen, neue Gewohnheiten im Alltag nicht zu vergessen.

Vielleicht ist eine wöchentliche Erinnerung zur Gewichtsdokumentation für Dich hilfreich. Oder Du möchtest regelmäßig daran erinnert werden, Deine Fortschritte zu reflektieren.

Wie häufig solche Erinnerungen sinnvoll sind, hängt von Deinen persönlichen Bedürfnissen ab. Zu viele Benachrichtigungen können auch als störend empfunden werden.

Tipp 3: Halte die Dokumentation möglichst einfach

Wenn die Dokumentation wenig Aufwand erfordert, fällt es möglicherweise leichter, sie regelmäßig in den Alltag einzubauen.

Nutze deshalb die Funktionen Deiner App, die für Dich besonders praktisch sind. Das können beispielsweise einfache Gewichtseinträge, Fortschrittsübersichten oder kurze Notizen sein.

Du musst nicht jede Aktivität ausführlich dokumentieren. Entscheidend ist, dass die Nutzung für Dich hilfreich und langfristig umsetzbar bleibt.

Tipp 4: Konzentriere Dich auf wenige Kernaktivitäten

Statt möglichst viele Funktionen gleichzeitig zu nutzen, kann es sinnvoll sein, zunächst mit wenigen Aktivitäten zu beginnen.

Mögliche Schwerpunkte sind:

  • Deine Gewichtsentwicklung in einem für Dich passenden Rhythmus dokumentieren.

  • Bei Fragen oder Schwierigkeiten den Austausch mit Deiner betreuenden Fachperson suchen.

  • Bei Bedarf Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten festhalten.

  • Deine Fortschritte regelmäßig reflektieren.

Welche Aktivitäten für Dich am hilfreichsten sind, hängt von Deinen Zielen und Deiner persönlichen Situation ab.

Die JMIR-Studie hat nicht untersucht, welche einzelne App-Funktion den größten Einfluss auf die Gewichtsabnahme hat.

Tipp 5: Mach Dir Deine Fortschritte bewusst

Kleine Fortschritte können motivieren, auch wenn sich Dein Gewicht nicht jede Woche verändert.

Vielleicht hast Du regelmäßig Deine Mahlzeiten geplant, mehr Bewegung in Deinen Alltag integriert oder eine neue Routine über mehrere Wochen beibehalten.

Solche Entwicklungen kannst Du bewusst wahrnehmen und wertschätzen.

Falls Deine App Fortschrittsanzeigen oder Meilensteine bietet, können diese eine zusätzliche Orientierung sein. Dabei ist es nicht notwendig, jeden Tag aktiv zu sein oder eine ununterbrochene Nutzungsserie aufrechtzuerhalten.

Tipp 6: Nutze konkrete Wenn-dann-Pläne

In der Verhaltenspsychologie werden sogenannte Implementation Intentions eingesetzt. Dabei legst Du im Voraus fest, wann und in welcher Situation Du eine bestimmte Handlung umsetzen möchtest.

Beispiele:

  • „Wenn ich sonntags meinen Wochenplan erstelle, dann schaue ich mir auch meine Gewichtsentwicklung an.“

  • „Wenn ich Fragen zu meiner Behandlung habe, dann notiere ich sie für das nächste Gespräch mit meiner betreuenden Fachperson.“

  • „Wenn ich meine Mahlzeiten für die Woche plane, dann überlege ich auch, wie ich ausreichend Protein einbauen kann.“

Solche konkreten Wenn-dann-Pläne können dabei helfen, gute Vorsätze leichter in Handlungen umzusetzen.

Entscheidend ist nicht, die App möglichst häufig zu öffnen, sondern eine Form der digitalen Unterstützung zu finden, die langfristig zu Dir und Deinem Alltag passt.

FAQ: Abnehmprogramm und Krafttraining

Muss ich jeden Tag in die App?

Nein, eine tägliche Nutzung ist nicht grundsätzlich notwendig.

In der Beobachtungsstudie von Voy wurde digitales Engagement anhand verschiedener Aktivitäten erfasst, darunter die Teilnahme am Coaching, die regelmäßige Gewichtsdokumentation und die App-Nutzung.

Die Studie zeigte, dass Teilnehmende mit höherem digitalem Engagement häufiger bestimmte Gewichtsverlustziele erreichten, darunter eine Abnahme von mindestens 10 % ihres Ausgangsgewichts.

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wie oft Du die App nutzen musst, um einen bestimmten Behandlungserfolg zu erzielen.

Entscheidend ist, dass Du eine Form der digitalen Begleitung findest, die Dich unterstützt und gut in Deinen Alltag passt.

Beides kann Dich beim Abnehmen unterstützen. Gewichts-Logging hilft Dir, Deine Fortschritte zu verfolgen, während Ernährungs-Logging Einblicke in Deine Essgewohnheiten gibt.

In der JMIR-Studie verloren Teilnehmende mit höherem digitalem Engagement nach fünf Monaten durchschnittlich 11,5 % ihres Ausgangsgewichts, gegenüber 8,0 % bei geringerem Engagement. Welcher Tracking-Methode der größere Effekt zuzuschreiben ist, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Unsere Empfehlung: Starte mit der Methode, die sich am einfachsten in Deinen Alltag integrieren lässt. Du musst nicht alles täglich dokumentieren.

Ich vergesse ständig zu loggen. Was hilft?

Kleine Routinen können Dir helfen, regelmäßiger zu dokumentieren:

  1. Erinnerungen aktivieren: Stelle passende App-Benachrichtigungen ein.

  2. Sichtbare Hinweise nutzen: Platziere Deine Waage an einem gut sichtbaren Ort.

  3. Gewohnheiten verknüpfen: Beispielsweise nach dem Zähneputzen wiegen und das Gewicht eintragen.

  4. Coach einbeziehen: Besprecht gemeinsam eine passende Tracking-Routine.

Entscheidend ist nicht tägliche Perfektion, sondern eine Routine, die langfristig zu Deinem Alltag passt.

Ja, auch ohne häufigen Coach-Kontakt können Funktionen wie die Gewichtsdokumentation und Fortschrittsübersichten hilfreich sein.

In der JMIR-Studie verloren Teilnehmende mit höherem digitalem Engagement durchschnittlich 11,5 % ihres Ausgangsgewichts, gegenüber 8,0 % bei geringerem Engagement.

Dabei wurde das Engagement insgesamt betrachtet, einschließlich App-Nutzung und Coaching. Wie viel zusätzlicher Nutzen allein durch den Coach-Kontakt entsteht oder wie häufig dieser stattfinden sollte, lässt sich aus der Studie nicht ableiten.

Nicht unbedingt. Die JMIR-Studie zeigte, dass höheres digitales Engagement mit einer größeren Gewichtsabnahme verbunden war.

Teilnehmende mit höherem Engagement hatten im vierten Monat eine höhere statistische Chance, mindestens 10 % ihres Ausgangsgewichts zu verlieren (Odds Ratio: 4,07).

Ob eine noch häufigere App-Nutzung zusätzliche Vorteile bringt oder ab wann der Nutzen abnimmt, wurde jedoch nicht untersucht.

Entscheidend ist deshalb, die App so zu nutzen, dass sie Dich im Alltag sinnvoll unterstützt.

Ja, eine Gewichtsabnahme ist auch ohne App möglich.

In der JMIR-Studie verloren Teilnehmende mit geringerem digitalem Engagement nach fünf Monaten durchschnittlich 8,0 % ihres Ausgangsgewichts, gegenüber 11,5 % bei höherem Engagement.

Auch Gewichtsverlustziele von mindestens 5 %, 10 % und 15 % wurden bei höherem Engagement häufiger erreicht.

Die Studie zeigt damit einen Zusammenhang zwischen digitaler Begleitung und Gewichtsverlust. Ob die App-Nutzung selbst für die Unterschiede verantwortlich war, lässt sich daraus jedoch nicht eindeutig ableiten.