Retatrutid-Injektionen
Retatrutid ist ein noch in der Entwicklung befindlicher Dreifach-Agonist zur Gewichtsabnahme (GLP-1, GIP und Glukagon), der in klinischen Studien aussagekräftige Ergebnisse bei der Gewichtsreduktion erzielt hat.
Research-Based Guide
Retatrutid ist ein neu entwickelter Dreifach-Agonist zur Gewichtsreduktion, der derzeit von Eli Lilly entwickelt wird.
In der EU ist Retatrutid derzeit nicht zugelassen und wird weiterhin klinisch untersucht. Inzwischen liegen Ergebnisse aus mehreren Phase-III-Studien vor. Eine mögliche Zulassung setzt eine entsprechende Prüfung und Bewertung durch die zuständigen Zulassungsbehörden voraus. Im Folgenden erläutern wir, wie Retatrutid wirkt, welche Studienergebnisse bisher vorliegen und welche Nebenwirkungen in klinischen Studien beobachtet wurden
Die wichtigsten Fakten im Überblick
Wirkmechanismus: Dreifach-Hormon-Agonist, der gleichzeitig die GLP-1, GIP und Glukagon-Rezeptoren aktiviert
Verfügbarkeit in Deutschland: Erwartet frühestens ab 2027
Häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung
Zulassungsstatus: Retatrutid ist derzeit in der EU nicht zugelassen und wird weiterhin klinisch untersucht.
Was ist Retatrutid?
Retatrutid ist eine einmal wöchentlich zu verabreichende Injektion zur Gewichtsreduktion, die auf drei zentrale Hormone wirkt: GLP-1, GIP und Glukagon.
Durch diesen dreifachen Wirkmechanismus unterscheidet sich Retatrutid hinsichtlich der angesprochenen Rezeptoren von Wirkstoffen, die ausschließlich am GLP-1-Rezeptor oder an GLP-1- und GIP-Rezeptoren wirken. Welche Bedeutung die gleichzeitige Aktivierung der drei Rezeptoren für die Wirkung von Retatrutid hat, wird zurzeit weiter klinisch untersucht.
Wie wirkt Retatrutid?
Retatrutid kann die Gewichtsabnahme unterstützen, indem es gleichzeitig GLP-1-, GIP- und Glukagon-Rezeptoren aktiviert. Diese Signalwege sind unter anderem an der Regulation von Blutzucker, Appetit, Nahrungsaufnahme und Energiehaushalt beteiligt.
GLP-1 beeinflusst unter anderem die glukoseabhängige Insulinausschüttung sowie Appetit und Nahrungsaufnahme.
GIP ist ebenfalls an der glukoseabhängigen Regulation der Insulinausschüttung beteiligt.
Glukagon (GCG) spielt unter anderem eine Rolle bei der Regulation des Glukose- und Energiehaushalts.
Durch diesen dreifachen Wirkmechanismus kann Retatrutid helfen, den Appetit zu zügeln, die Insulinsensitivität zu verbessern und möglicherweise den Kalorienverbrauch zu erhöhen.
Klinische Studien zu Retatrutid: Wie effektiv ist es bei der Gewichtsabnahme?
Retatrutid wird in einem umfangreichen Phase-III-Studienprogramm untersucht. Inzwischen liegen Ergebnisse aus mehreren Phase-III-Studien vor.
Bereits die Ergebnisse der abgeschlossenen Phase-II-Studien liefern Hinweise auf die Wirksamkeit. In diesen Studien verloren Teilnehmende, die die höchste Dosis des Medikaments erhielten, im Durchschnitt 24,2 % ihres Ausgangsgewichts innerhalb von 48 Wochen. Zudem erreichten 26 % der Teilnehmer:innen eine Gewichtsabnahme von mindestens 30 % ihres ursprünglichen Gewichts.
Wann wird Retatrutid in Deutschland verfügbar sein?
Retatrutid ist in Deutschland und der EU derzeit noch nicht zugelassen. Der Wirkstoff wird weiterhin in klinischen Studien untersucht. Eine mögliche Zulassung setzt eine entsprechende Prüfung und Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) voraus. Wann Retatrutid in Deutschland verfügbar sein könnte, lässt sich daher derzeit nicht verlässlich sagen.
Wofür wird Retatrutid eingesetzt?
Retatrutid wird vor allem zur Behandlung von Adipositas entwickelt. Erste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass es möglicherweise auch positive Effekte bei Typ-2-Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen haben könnte.
Was sind mögliche Nebenwirkungen von Retatrutid?
In klinischen Studien waren die häufigsten Nebenwirkungen von Retatrutid leichte Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung. Diese Effekte waren dosisabhängig, in der Regel leicht bis mittelschwer, und die Verträglichkeit verbesserte sich, wenn die Dosis schrittweise erhöht wurde.
Ein leichter, dosisabhängiger Anstieg der Ruheherzfrequenz wurde ebenfalls beobachtet. Dieser erreichte um Woche 24 seinen Höchstwert und nahm danach wieder ab. Ein dosisabhängiger Anstieg der Herzfrequenz wurde ebenfalls beobachtet. Dieser erreichte etwa um Woche 24 seinen Höchstwert und nahm anschließend wieder ab.
Manche Teilnehmer berichteten außerdem über veränderte oder verstärkte Hautempfindungen wie Kribbeln oder Prickeln. Auch diese Nebenwirkungen waren leicht bis mittelschwer und führten nicht zum Abbruch der Behandlung.
Die Nebenwirkungen traten häufiger in den 8-mg- und 12-mg-Dosisgruppen auf als bei niedrigeren Dosen. Teilnehmer, die mit einer Anfangsdosis von 4 mg starteten, hatten mehr Nebenwirkungen als bei einer Startdosis von 2 mg.
Wer wird in Studien zu Retatrutid untersucht?
Sobald Retatrutid in Deutschland zugelassen ist, wird es voraussichtlich ähnliche Zulassungskriterien wie andere GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion befolgen. In der Regel betrifft das Erwachsene mit:
Einem BMI von 30 oder höher (Adipositas)
Einem BMI von 27 oder höher in Kombination mit gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen (wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe)
Retatrutid wird in klinischen Studien bei unterschiedlichen Gruppen von Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht untersucht. Dazu gehören sowohl Menschen ohne Diabetes als auch Menschen mit Typ-2-Diabetes und bestimmten gewichtsbezogenen Begleiterkrankungen. Welche Patientengruppen bei einer möglichen zukünftigen Zulassung berücksichtigt werden, hängt von den Ergebnissen der klinischen Studien und der Bewertung durch die zuständigen Zulassungsbehörden ab.
Frühe Daten deuten darauf hin, dass Retatrutid positive Effekte bei Fettlebererkrankungen und Stoffwechselmarkern haben könnte, derzeit wird es jedoch in erster Linie für Menschen mit Adipositas entwickelt. Grundsätzlich kann eine nachhaltige Gewichtsabnahme dazu beitragen, Gesundheitsprobleme wie Fettleber oder erhöhte Cholesterinwerte zu verbessern.
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