Was sind Appetitzügler?

Appetitzügler sollen die Gewichtsabnahme unterstützen können, indem sie das Hungergefühl verringern und so das Sättigungsgefühl fördern.

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 29. August 2025

Forschungsbasierte Empfehlung

Appetitzügler tun im Grunde genau das, was ihr Name vermuten lässt: Sie beeinflussen das Hunger- und Sättigungsgefühl und können dadurch die Nahrungsaufnahme reduzieren. Nach diesem Prinzip wirken auch bestimmte Arzneimittel zum Gewichtsmanagement wie Saxenda, Wegovy oder Mounjaro.

Die medikamentöse Beeinflussung des Appetits ist dabei keineswegs neu. Neben verschreibungspflichtigen Arzneimitteln werden auch verschiedene Nahrungsergänzungsmittel mit einer möglichen Wirkung auf Hunger oder Sättigung angeboten. Diese unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer Wirkweise, wissenschaftlichen Evidenz und auch der in rechtlichen Einordnung.

Wie wirken Appetitzügler, welche unterschiedlichen Wirkstoffe und Präparate gibt es und worauf ist bei ihrer Anwendung zu achten? Der folgende Überblick ordnet die verschiedenen Möglichkeiten und Unterschiede ein.

Arten von Appetitzüglern

Wer darüber nachdenkt, ein Mittel zur Appetitzügelung zu verwenden, hat in Deutschland mehrere Optionen. Im Wesentlichen lassen sich Appetitzügler in drei Kategorien einteilen: Injektionspräparate, verschreibungspflichtige Tabletten und rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel.

Abnehm-Injektionen

Zu den bekanntesten und zur Gewichtsreduktion bzw. zum Gewichtsmanagement zugelassenen Injektionspräparaten zählen Saxenda, Wegovy und Mounjaro. Ihre Wirkstoffe beeinflussen Signalwege, die unter anderem an der Regulation von Appetit und Sättigung beteiligt sind. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Medikamente mit jeweils eigenen Wirkstoffen, Dosierungen und möglichen Nebenwirkungen.

Ob eine medikamentöse Therapie infrage kommt und welches Präparat geeignet ist, wird im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung unter Berücksichtigung individueller gesundheitlicher Faktoren geklärt.

Tabletten

Zur medikamentösen Gewichtsreduktion stehen auch Wirkstoffe in Tablettenform zur Verfügung. Ob ein Präparat verschreibungspflichtig ist, hängt vom jeweiligen Arzneimittel und teilweise auch von der Dosierung ab. Orlistat wirkt beispielweise im Gegensatz zu Arzneimitteln, die den Appetit beeinflussen, über eine Hemmung der Fettaufnahme im Darm. Es unterscheidet sich damit auch hinsichtlich seines Wirkmechanismus von GLP-1-basierten Arzneimitteln.

Rezeptfreie Appetitzügler-Tabletten

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl frei verkäuflicher Produkte, die häufig als natürliche Appetitzügler beworben werden. Sie können beispielsweise Ballaststoffe oder pflanzliche Inhaltsstoffe enthalten. Welche Wirkungen wissenschaftlich belegt sind, hängt vom jeweiligen Inhaltsstoff und Produkt ab. Nahrungsergänzungsmittel unterliegen nicht dem gleichen Zulassungsverfahren wie Arzneimittel. Insbesondere Aussagen über eine mögliche Wirkung auf Appetit, Sättigung oder Gewichtsabnahme sollten daher anhand der wissenschaftlichen Erkenntnisse für den jeweiligen Inhaltsstoff beurteilt werden.

Was ist mit sogenannten natürlichen Appetitzüglern?

Neben verschreibungspflichtigen Medikamenten gibt es eine Reihe von Nahrungsergänzungsmitteln und Ernährungsstrategien, die mit Sättigung und Appetitregulierung in Verbindung gebracht werden. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu ihrer Wirkung unterscheiden sich jedoch je nach Inhaltsstoff und Maßnahme.

Glucomannan

Glucomannan ist ein löslicher Ballaststoff, der aus der Wurzel der Konjakpflanze gewonnen wird. Im Kontakt mit Wasser quillt er stark auf und bildet eine gelartige Masse. Aufgrund seiner wasserbindenden Eigenschaften wird Glucomannan unter anderem z.B. in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.

Für Glucomannan ist in der EU unter bestimmten Voraussetzungen eine gesundheitsbezogene Angabe zur Gewichtsabnahme zugelassen. Diese bezieht sich auf die Aufnahme einer festgelegten Menge im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung.

Koffein

Auch Koffein wird häufig im Zusammenhang mit Appetit und Energieverbrauch diskutiert. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu einer appetithemmenden Wirkung sind allerdings nicht eindeutig. Studien kommen hinsichtlich möglicher Effekte auf Appetit und Nahrungsaufnahme zu unterschiedlichen Ergebnissen. Für gesunde Erwachsene gelten über den Tag verteilt aufgenommene Koffeinmengen von bis zu 400 mg nach Einschätzung der EFSA im Allgemeinen als gesundheitlich unbedenklich. Die individuelle Verträglichkeit kann jedoch variieren. Höhere Mengen können unter anderem mit Schlafstörungen, Nervosität oder Herzrasen verbunden sein.

Sättigende Lebensmittel

Auch die Zusammensetzung der Ernährung kann das Sättigungsgefühl beeinflussen. Ballaststoffreiche Lebensmittel sowie proteinreiche Lebensmittel können zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen.

Dazu zählen beispielsweise:

  • Mageres Fleisch, Fisch und Tofu

  • Vollkornprodukte wie Haferflocken, Naturreis oder Vollkornbrot

  • Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte

Zu einer ausgewogenen und ballaststoffreichen Ernährung wird auch im Rahmen allgemeiner Ernährungsempfehlungen geraten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene einen Richtwert von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag.

Wie funktionieren Appetitzügler?

Appetitzügler, besonders die modernen Injektionspräparate, können die Wirkung körpereigener Hormone beeinflussen, die an der Hunger- und Sättigungsregulation beteiligt sind. GLP-1-basierte Arzneimittel beeinflussen unter anderem die Appetitregulation und können die Magenentleerung verzögern.

Saxenda und Wegovy enthalten Wirkstoffe, die das Hormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) imitieren. Mounjaro kombiniert die Wirkung von GLP-1 und GIP (Glucose-dependent Insulinotropic Peptide), was ihm eine stärkere appetitzügelnde Wirkung verleiht.

Diese Medikamente werden häufig als sogenannte Peptide bezeichnet – ein Begriff, der auf ihre biochemische Struktur verweist. Die aktiven Substanzen heißen Liraglutid, Semaglutid und Tirzepatid.

Während diese Arzneimittel gezielt an bestimmten Rezeptoren ansetzen, können andere als Appetitzügler bezeichnete Produkte auf unterschiedliche Weise wirken. Auch bei Nahrungsergänzungsmitteln unterscheiden sich Wirkweise und wissenschaftliche Erkenntnisse je nach Inhaltsstoff.

Sind Appetitzügler tatsächlich wirksam?

Für verschiedene zur Gewichtsreduktion bzw. zum Gewichtsmanagement zugelassene Arzneimittel liegen Ergebnisse aus klinischen Studien vor. Dazu gehören unter anderem Liraglutid (Saxenda), Semaglutid (Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro). In den jeweiligen Zulassungsstudien wurde unter der Behandlung im Durchschnitt eine Gewichtsabnahme beobachtet. Wie hoch diese ausfiel, unterschied sich je nach Wirkstoff, Dosierung, Behandlungsdauer und den untersuchten Personengruppen. Die Ergebnisse verschiedener Studien lassen sich deshalb nicht einfach direkt miteinander vergleichen.

Studienergebnisse geben einen guten Einblick in die untersuchten Wirkstoffe, sind aber immer im jeweiligen Zusammenhang zu betrachten: Wie lange dauerte die Studie, welche Dosierung wurde untersucht und wer nahm daran teil? Wie stark sich das Körpergewicht im Einzelfall verändert, lässt sich daraus nicht vorhersagen.

Bei natürlichen Appetitzüglern und Nahrungsergänzungsmitteln fällt das wissenschaftliche Bild gemischter aus. Wie gut eine mögliche Wirkung untersucht ist, hängt sehr vom jeweiligen Inhaltsstoff ab. Auch zu Glucomannan gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse, die jedoch unter bestimmten Bedingungen betrachtet werden müssen. Allgemeine Aussagen zur Gewichtsabnahme lassen sich daraus nicht ableiten.

Sind Appetitzügler sicher?

Wie bei anderen Arzneimitteln können auch bei verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Gewichtsreduktion Nebenwirkungen und Risiken auftreten. Welche das sind und wie häufig sie vorkommen, unterscheidet sich je nach Wirkstoff und Präparat.

Zu den bekannten Nebenwirkungen von GLP-1-basierten Arzneimitteln gehören insbesondere Magen-Darm-Beschwerden. Dazu können beispielsweise folgende zählen:

  • Übelkeit

  • Erbrechen

  • Durchfall

  • Verstopfung

  • Bauchschmerzen

Darüber hinaus können je nach Wirkstoff weitere Nebenwirkungen auftreten. Informationen dazu finden sich in der jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformation. Auch bestehende Erkrankungen, andere eingenommene Medikamente sowie eine Schwangerschaft oder geplante Schwangerschaft können für die Behandlung relevant sein. Ob eine medikamentöse Therapie infrage kommt, sollte stets im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung geklärt werden.

FAQ: Appetitzügler

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse unterscheiden sich je nach Inhaltsstoff. Für einige Stoffe liegen Studien zu möglichen Effekten auf Sättigung oder Gewichtsabnahme vor, während die Wirkung anderer nicht ausreichend belegt ist. Für Glucomannan ist in der EU unter bestimmten Voraussetzungen eine gesundheitsbezogene Angabe zur Gewichtsabnahme zugelassen.

Eine ausgewogene, kalorienbewusste Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität wie Sport gehören zu den begleitenden Maßnahmen einer medikamentösen Gewichtsreduktion. Auch ausreichend Schlaf und Stressreduktion können für einen gesundheitsfördernden Lebensstil eine Rolle spielen.

Quellen

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