Retatrutid-Injektionen
Retatrutid ist ein vielversprechender, noch in der Entwicklung befindlicher Dreifach-Agonist zur Gewichtsabnahme (GLP-1, GIP und Glukagon), der in klinischen Studien aussagekräftige Ergebnisse bei der Gewichtsreduktion erzielt hat.
Research-Based Guide
Retatrutid ist ein neu entwickelter Dreifach-Agonist zur Gewichtsreduktion, der derzeit von Eli Lilly entwickelt wird.
Noch ist der Wirkstoff in der EU nicht zugelassen. Abhängig von den Ergebnissen der laufenden Phase-III-Studien und der anschließenden Bewertung durch die europäischen Zulassungsbehörden könnte Retatrutid voraussichtlich 2026 in Deutschland zugelassen werden. Im Folgenden erläutern wir, wie Retatrutid wirkt, welche Studienergebnisse bisher vorliegen, welche Nebenwirkungen möglich sind und wann das Medikament hierzulande verfügbar sein könnte.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
Wirkmechanismus: Dreifach-Hormon-Agonist, der gleichzeitig die GLP-1, GIP und Glukagon-Rezeptoren aktiviert
Verfügbarkeit in Deutschland: Erwartet frühestens ab 2026
Häufige Nebenwirkungen: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung
Sicherheitsprofil: Vergleichbar mit bestehenden GLP-1-Medikamenten, jedoch bestehen Bedenken aufgrund des sehr schnellen Gewichtsverlusts
Was ist Retatrutid?
Retatrutid ist eine einmal wöchentlich zu verabreichende Injektion zur Gewichtsreduktion, die auf drei zentrale Hormone wirkt: GLP-1, GIP und Glukagon.
Laut klinischen Daten von Eli Lilly unterscheidet sich Retatrutid durch diesen sogenannten “Dreifach-G”-Mechanismus deutlich von den anderen Medikamenten, wie Wegovy, das ein Hormon anspricht, und Mounjaro, das zwei Hormone aktiviert. Retatrutid ist die erste Dreifach-Agonist-Therapie, die für die Behandlung von Adipositas entwickelt wurde und die Wirkung von allen drei zentralen Stoffwechselhormonen kombiniert.
Durch diesen “Dreifach-G”-Effekt gilt Retatrutid als einer der fortschrittlichsten Behandlungen, die derzeit entwickelt werden. In klinischen Studien führte es zu einer größeren Gewichtsabnahme als bei derzeit verfügbaren Medikamenten.
Wie wirkt Retatrutid?
Retatrutid unterstützt die Gewichtsabnahme, indem es die Wirkung von drei natürlichen Hormonen nachahmt, die die Verdauung verlangsamen und den Energieverbrauch des Körpers erhöhen.
GLP-1 stimuliert die Freisetzung von Insulin, verlangsamt Deine Verdauung und hilft, den Appetit zu unterdrücken
GIP verstärkt die Insulinfreisetzung ebenfalls und kann dazu beitragen, den Aufbau von Körperfett zu verhindern
GCG (Glukagon) kann den Energieverbrauch des Körpers steigern und unterstützt die Fettverbrennung
Durch diesen dreifachen Wirkmechanismus hilft Retatrutid, den Appetit zu zügeln, die Insulinsensitivität zu verbessern und möglicherweise den Kalorienverbrauch zu erhöhen - entscheidende Faktoren für eine nachhaltige und effektive Gewichtsreduktion.
Klinische Studien zu Retatrutid: Wie effektiv ist es bei der Gewichtsabnahme?
Retatrutid wird aktuell in einer fortgeschrittenen Phase-III-Studie zur Behandlung von Adipositas untersucht, deren Abschluss für 2026 vorgesehen ist.
Bereits die Ergebnisse der abgeschlossenen Phase-II-Studien liefern beeindruckende Hinweise auf die Wirksamkeit. In diesen Studien verloren Teilnehmende, die die höchste Dosis des Medikaments erhielten, im Durchschnitt 24,2 % ihres Ausgangsgewichts innerhalb von 48 Wochen. Zudem erreichten 26 % der Teilnehmer:innen eine Gewichtsabnahme von mindestens 30 % ihres ursprünglichen Gewichts.
Fazit: Retatrutid zeigt bislang großes Potenzial zur Gewichtsreduktion unter allen bisher untersuchten GLP-1-basierten Medikamenten.
Wann wird Retatrutid in Deutschland verfügbar sein?
Retatrutid ist in Deutschland derzeit noch nicht zugelassen. Die Markteinführung könnte voraussichtlich bis Ende 2026 erfolgen, sobald die europäischen Zulassungsbehörden (EMA) die Ergebnisse der Phase-III-Studien zu Sicherheit und Wirksamkeit geprüft haben. Anschließend erfolgt die Bewertung durch nationale Behörden und Krankenkassen.
Retatrutide im Vergleich zu anderen Medikamenten zur Gewichtsabnahme
Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Unterschiede zwischen Retatrutide und den führenden Abnehmmedikamenten auf dem Markt – Wegovy und Mounjaro – zusammen. Wenn Sie einen detaillierteren, direkten Vergleich möchten, lesen Sie gerne unseren separaten Artikel, der Retatrutide, Wegovy und Mounjaro gegenüberstellt.
Retatrutide, Mounjaro und Wegovy im Vergleich
Im Vergleich zu Wegovy und Mounjaro wirkt Retatrutide auf mehr Hormone und hat in Studien eine höhere durchschnittliche Gewichtsabnahme gezeigt – bis zu 24,2 % nach 48 Wochen in einer Phase-2-Studie.
Übersicht der Eigenschaften
Retatrutide
Wirkstoff: Retatrutide
Hersteller: Eli Lilly
In Großbritannien zugelassen? Noch nicht (erwartet 2026)
Durchschnittlicher Gewichtsverlust (48 Wochen): 24,2 % (Daten aus Phase II)
Zielhormone: GLP-1, GIP, Glucagon
Einnahmehäufigkeit: Wöchentliche Injektion
Mounjaro
Wirkstoff: Tirzepatide
Hersteller: Eli Lilly
In Großbritannien zugelassen? Ja
Durchschnittlicher Gewichtsverlust (48 Wochen): 20,5 % (geschätzt aus 72-Wochen-Daten)
Zielhormone: GLP-1, GIP
Einnahmehäufigkeit: Wöchentliche Injektion
Wegovy
Wirkstoff: Semaglutid
Hersteller: Novo Nordisk
In Großbritannien zugelassen? Ja
Durchschnittlicher Gewichtsverlust (48 Wochen): 18,0 % (geschätzt aus 72-Wochen-Daten)
Zielhormone: GLP-1
Einnahmehäufigkeit: Wöchentliche Injektion
Wofür wird Retatrutid eingesetzt?
Retatrutid wird vor allem zur Behandlung von Adipositas entwickelt. Erste Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass es möglicherweise auch positive Effekte bei Typ-2-Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen haben könnte.
Was sind mögliche Nebenwirkungen von Retatrutid?
Die Nebenwirkungen von Retatrutid ähneln denen von Wegovy und Mounjaro. In klinischen Studien waren die häufigsten Nebenwirkungen von Retatrutid leichte Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung. Diese Effekte waren dosisabhängig, in der Regel leicht bis mittelschwer, und die Verträglichkeit verbesserte sich, wenn die Dosis schrittweise erhöht wurde.
Ein leichter, dosisabhängiger Anstieg der Ruheherzfrequenz wurde ebenfalls beobachtet. Dieser erreichte um Woche 24 seinen Höchstwert und nahm danach wieder ab. Die Anstiege waren vergleichbar mit denen, die bei anderen GLP-1-Rezeptor-Agonisten berichtet wurden, und gelten nicht als Sicherheitsrisiko.
Manche Teilnehmer berichteten außerdem über veränderte oder verstärkte Hautempfindungen wie Kribbeln oder Prickeln. Auch diese Nebenwirkungen waren leicht bis mittelschwer und führten nicht zum Abbruch der Behandlung.
Die Nebenwirkungen traten häufiger in den 8-mg- und 12-mg-Dosisgruppen auf als bei niedrigeren Dosen. Teilnehmer, die mit einer Anfangsdosis von 4 mg starteten, hatten mehr Nebenwirkungen als bei einer Startdosis von 2 mg.
Fazit: Erste Studien zeigen, dass das Sicherheitsprofil von Retatrutid mit dem bestehender GLP-1-Medikamente vergleichbar ist. Verdauungsbeschwerden sind die häufigsten Nebenwirkungen und lassen sich in der Regel durch eine schrittweise Dosissteigerung gut handhaben.
Wer kann Retatrutid anwenden?
Sobald Retatrutid in Deutschland zugelassen ist, wird es voraussichtlich ähnliche Zulassungskriterien wie andere GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion befolgen. In der Regel betrifft das Erwachsene mit:
Einem BMI von 30 oder höher (Adipositas)
Einem BMI von 27 oder höher in Kombination mit gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen (wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe)
Allerdings ist Retatrutid nicht für alle geeignet. Basierend auf ähnlichen Medikamenten wird es wahrscheinlich nicht empfohlen für:
Personen mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte von medullärem Schilddrüsenkrebs
Personen mit einem multiplen endokrinen Neoplasie-Syndrom Typ 2
Personen mit einer Vorgeschichte mit Pankreatitis
Schwangere oder stillende Frauen
Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)
Personen mit schweren Nieren- oder Lebererkrankungen
Was ist nun mit Menschen ohne Diabetes, die einfach abnehmen möchten? Die gute Nachricht ist, die Retatrutid-Studien umfassen viele Teilnehmer:innen ohne Diabetes. Das Medikament scheint unabhängig vom Diabetes-Status sicher und wirksam zur Gewichtsabnahme zu sein.
Für Menschen, die ihr Stoffwechselprofil verbessern oder an der Reduzierung von Leberfett interessiert sind, ohne die Adipositas-Kriterien zu erfüllen, wird die Anwendung komplexer.
Frühe Daten deuten zwar darauf hin, dass Retatrutid positive Effekte bei Fettlebererkrankungen und Stoffwechselmarkern haben könnte, derzeit wird es jedoch in erster Linie für Menschen mit Adipositas entwickelt. Die Verwendung für andere Zwecke wäre wahrscheinlich ein sogenannter Off-Label-Einsatz und sollte nur nach einer individuellen Beratung durch einen Facharzt oder eine Fachärztin erfolgen. Grundsätzlich kann aber jede nachhaltige Gewichtsabnahme dazu beitragen, Gesundheitsprobleme wie Fettleber oder erhöhte Cholesterinwerte zu verbessern.
)