Gefälschte Abnehmprogrammn: Warum Billig-Angebote gefährlich sind
Abnehmprogrammn erleben derzeit einen regelrechten Boom. Social Media liefert zahlreiche Berichte über Gewichtsabnahmen. Doch mit der Nachfrage wächst auch der Markt für gefälschte oder minderwertige Abnehmprogrammn. Wir erklären Dir, warum das gefährlich ist und wie Du Dich vor Betrug schützen kannst.
Forschungsbasierter Ratgeber
Die Versuchung ist verständlich: Abnehmprogrammn können auf Dauer kostspielig sein. So kostet Wegovy bis zu 300 € im Monat, Mounjaro sogar bis zu 500 € monatlich. Wenn diese Medikamente zum Abnehmen verschrieben werden, zahlt die gesetzliche Krankenkasse nicht. Kein Wunder also, dass viele nach günstigeren Wegen suchen. Genau das nutzen Betrüger:innen aus.
Im Folgenden wird erläutert, welche Arten von Fälschungen bekannt sind, welche gesundheitlichen Risiken damit verbunden sein können, woran verdächtige Produkte erkennbar sein können und an welchen Stellen sich Verbraucher bei einem Verdacht wenden können.
Was kursiert auf dem Markt? Die drei Risikokategorien
Im Hinblick auf gefälschte Abnehmprogrammn und den Abnehmprogrammn-Graumarkt sind drei Bedrohungstypen zu unterscheiden. Sie bringen verschiedene Risiken mit sich. Im besten Fall sind sie nur unwirksam, im schlechtesten Fall jedoch gesundheitsschädlich. Eine Unterscheidung der verschiedenen Formen kann daher bei der Einordnung der Risiken hilfreich sein.
Gefälschte Abnehmprogrammn
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnte schon 2023 davor, dass Ozempic-Fälschungen auf dem deutschen Markt aufgetaucht sind. Es handelte sich um Packungen mit 1 mg Semaglutid der Seriennummern 1946483405690 und 1031002838555. Von den Fälschungen ging eine erhebliche Gesundheitsgefährdung aus, da darin nicht wie angegeben Semaglutid, sondern Insulin enthalten war, wie das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe bestätigte.
In Österreich haben derartige gefälschte Ozempic-Pens zu schweren Unterzuckerungen und Krampfanfällen geführt, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Dazu kann es kommen, wenn Insulin statt Semaglutid gespritzt wird.
Die Außenverpackungen der Fälschungen sahen fast echt aus, während die Fake-Ozempic-Pens selbst optisch besser vom Originalpräparat zu unterscheiden waren. Echte Ozempic-Pens haben einen hellbraunen Drehring und eine klare Lösung ohne Skala im Sichtfenster. Im Februar 2024 gab das BfArM an, dass seitdem keine weiteren Hinweise vorliegen, dass gefälschte Abnehmprogrammn noch in Deutschland im Umlauf sind, was fortlaufend durch das securPharm-System zur Überprüfung der Echtheit von Arzneimitteln kontrolliert wird.
GLP-1-Fake-Produkte
In den Bereich der Pseudo-GLP-1-Produkte fallen Nahrungsergänzungsmittel, die eine Wirkung wie GLP-1-Medikamente versprechen. Die Verbraucherzentrale weist 2026 auf einige Produkte zum Abnehmen hin, darunter „Mounjaslim“, „Rekulo GLP-1“ oder „Purimea GLP-1-Drink“. Die gewählten Namen klingen z. B. ähnlich wie Namen zugelassener GLP-1-Medikamente wie Mounjaro. Laut Verbraucherzentrale enthalten sie trotzdem keinerlei GLP-1-Wirkstoff. Die Bezeichnung "GLP-1" ist bei solchen Produkten daher nicht mit dem Vorhandensein eines entsprechenden Arzneimittelwirkstoffs gleichzusetzen.
Gefälschte Rezepte
Unabhängig davon stellt auch der Missbrauch durch gefälschte Rezepte ein Problem dar. Anbieter mit Werbesprüchen wie „Ozempic ohne Rezept“ sind kritisch zu betrachten: Arzneimittel wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro, sind rezeptpflichtig. Ohne Ausnahme (§ 48 AMG).
Auch das Bundeskriminalamt warnt vor Rezeptfälschungen. In Niedersachsen wurde z. B. eine hohe dreistellige Anzahl an Straftaten mit gefälschten Rezepten für Abnehmprogrammn erfasst. Apotheker:innen decken viele Rezeptfälschungen auf, doch die zunehmend organisierter werdende Kriminalität erschwert das Aufdecken.
Seit dem 01.01.2024 ist die Ausstellung eines E-Rezepts bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln verpflichtend. Das erschwert Fälschungen spürbar, doch Fachverbände betonen, dass die Fälschungsgefahr damit nicht gestoppt wurde.
Die Gefahren: Was konkret passieren kann
Die größte Gefahr besteht bei gefälschten Abnehmprogrammn darin, dass man sich einen anderen Wirkstoff injiziert als angegeben. In Österreich führten gefälschte Ozempic-Pens, die Insulin statt Semaglutid enthielten, zu lebensbedrohlichen Blutzuckerabfällen. Das BfArM warnte davor, dass diese Ozempic-Fälschungen auch in Deutschland im Umlauf waren.
Von GLP-1-Fake-Produkten, die in Wahrheit keinen entsprechenden GLP-1-Arzneimittelwirkstoff enthalten, sondern als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden, können ebenfalls Risiken ausgehen. Problematisch können beispielsweise nicht deklarierte Inhaltsstoffe oder irreführende Angaben zur erwartbaren Wirkung sein. Die Wirkungen zugelassener GLP-1-basierter Arzneimittel wurden dagegen in klinischen Studien untersucht, (z. B. in der STEP-Studienreihe für Semaglutid oder der SURMOUNT-Studienreihe für Tirzepatid).
Wenn verschreibungspflichtige Arzneimittel außerhalb der dafür vorhergesehenen legalen Vertriebswege bezogen werden, kann der Zoll die Präparate unter bestimmten Umständen beschlagnahmen. Je nach Einzelfall können außerdem Bußgelder und strafrechtliche Konsequenzen möglich sein. GLP-1-Medikamente sind nur bei bestimmten Indikationen zugelassen und verschreibungspflichtig. Ob und für welche Indikation ein Präparat infrage kommt, wird im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung geklärt.
So erkennst Du ein echtes Produkt
Wenn Du Dir unsicher bist, welche Anbieter seriös sind und wie Du sicher an die Abnehmprogramm gelangst, kann Dir unsere Checkliste helfen.
Kaufe Abnehmprogrammn nur aus deutschen Apotheken, entweder stationär oder bei Telemedizin-Anbietern mit EU-zertifiziertem Online-Versand. Im Versandhandels-Register des BfArM findest Du alle Apotheken und Händler, die legal Medikamente online verkaufen dürfen. Achte zudem auf vollständige Kontaktdaten und ein gepflegtes Impressum.
Kaufe nichts ohne Rezept. Ein ärztliches Gespräch und ein daraufhin ausgestelltes Rezept sind immer fester Bestandteil des Prozesses, selbst bei Telemedizin-Anbietern. Sämtliche GLP-1-Medikamente sind in Deutschland verschreibungspflichtig.
Achte auf das Aussehen der Original-Präparate. Echte Ozempic-Pens enthalten z. B. eine klare Lösung, haben einen hellbraunen Drehring, eine Dosisanzeige in mg und keine Skala im Sichtfenster.
Prüfe die Seriennummern. Bei einigen Seriennummern ist bekannt geworden, dass sich darunter gefälschte Abnehmprogrammn befanden, z. B. 1946483405690 und 1031002838555 für Ozempic-Pens. Das BfArM veröffentlicht die bekannten Fälschungs-Seriennummern.
Wenn Du günstige Produkte entdeckst, deutet das allerdings nicht unbedingt auf gefälschte Präparate hin. Es gibt auch echte, zugelassene und sichere, günstige GLP-1-Medikamente. Ein Beispiel dafür ist Nevolat mit dem Wirkstoff Liraglutid, das seit Anfang 2026 in deutschen Apotheken erhältlich ist und je nach Dosis etwa 79–129 € pro Monat kostet.
Du fragst Dich vielleicht: Warum ist Nevolat so günstig? Ist das Produkt schlechter oder unsicherer? Die Antwort auf beides lautet nein. Es handelt sich hierbei lediglich um ein Nachahmerpräparat (Generikum) von Saxenda. Für das Original-Präparat Saxenda ist der Patentschutz abgelaufen. Nevolat erhielt im August 2025 als erstes Generikum die deutsche Zulassung – und ist damit sicher und legal.
Was tun, wenn man ein verdächtiges Produkt hat?
Wenn Verbraucher eines der Warnsignale wie einen unseriösen Anbieter, Abnehmprogrammn ohne Rezept oder kritische Seriennummern feststellen oder Zweifel an der Echtheit eines Arzneimittels bestehen, sollte das betreffende Produkt bis zur Klärung nicht angewendet werden. Eine Apotheke kann bei der weiteren Einordnung unterstützen. Beim BfArM besteht zudem die Möglichkeit, verdächtige Arzneimittel zu melden. Bei dubiosen Online-Shops kann zudem eine Meldung bei der Polizei oder Verbraucherzentrale sinnvoll sein.
Verdacht auf Arzneimittelfälschungen: Anlaufstellen und Meldemöglichkeiten
Bei einem Verdacht auf ein gefälschtes Arzneimittel sollte das betroffene Produkt nicht weiter angewendet werden, bis seine Echtheit geklärt ist. Eine erste Anlaufstelle kann eine Apotheke sein. Informationen und Warnmeldungen zu bekannten Arzneimittelfälschungen veröffentlicht außerdem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Verdachtsfälle können über die entsprechenden Meldewege des BfArM gemeldet werden.
Bei auffälligen oder möglicherweise betrügerischen Online-Angeboten können sich Verbraucher außerdem an eine Verbraucherzentrale wenden. Besteht der Verdacht auf eine Straftat, kommt auch eine Meldung bei der Polizei infrage. Verpackung, Kaufbelege und andere Informationen zum Produkt sollten für eine mögliche Prüfung aufbewahrt werden.
FAQ: Gefälschte Abnehmprogrammn
GLP-1-Arzneimittel wie Wegovy oder Mounjaro sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Für den Bezug und Import von Arzneimitteln gelten zudem gesetzliche Vorgaben, die unter anderem vom Herkunftsland und Vertriebsweg abhängen. Angebote verschreibungspflichtiger Arzneimittel ohne erforderliches Rezept können ein Warnsignal für einen nicht regulären Vertriebsweg sein.
Nevolat ist ein seit Anfang 2026 erhältliches, zugelassenes GLP-1-Medikament mit dem Wirkstoff Liraglutid. Es handelt sich um ein Generikum (Nachahmerpräparat) von Saxenda. Generika werden im Rahmen eines behördlichen Zulassungsverfahrens geprüft. Ob ein Arzneimittel für eine bestimmte Person medizinisch infrage kommt, ist unabhängig davon im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung zu klären.
Bei der Beurteilung eines Präparats können unter anderem Verpackung, Kennzeichnung und behördliche Warnhinweise zu bekannten Fälschungen berücksichtigt werden. Die Originalverpackung sollte intakt und einwandfrei versiegelt sein. Chargennummer und Verfallsdatum sollten korrekt angegeben sein und keine Warnsignale liefern. Auch der Pen selbst innerhalb der Verpackung sollte mit den offiziellen Produktinformationen übereinstimmen, da es schon vorgekommen ist, dass falsche Pens in einer wie das Original aussehenden Verpackung waren. Bei Zweifeln sollte das Präparat nicht angewendet und in einer Apotheke geprüft werden.
Verwende das Produkt bei Unsicherheit nicht weiter und lasse es prüfen. Wende Dich dazu an die Apotheke oder medizinisches Fachpersonal und melde den Verdacht beim BfArM und ggf. bei einer Verbraucherzentrale. Bewahre Verpackung und Kaufnachweis auf, damit der Fall nachvollzogen werden kann.
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