GLP-1 und Schilddrüse: Was die Forschung sagt
Wenn Menschen nach „GLP-1 und Schilddrüse“ suchen, können sie zwei verschiedene Dinge meinen: Einerseits gibt es Schlagzeilen über ein angebliches Krebsrisiko. Andererseits steht die persönliche Frage „Ich habe Hashimoto – kann ich überhaupt eine Abnehmspritze nehmen?“ dahinter.
Forschungsbasierter Ratgeber
Eigentlich sind es also zwei verschiedene Fragen. Sie zu vermischen, wie es in vielen Artikeln getan wird, kann verunsichern. Hier wird beides klar voneinander getrennt: Was sagt die Wissenschaft zum Schilddrüsenkrebsrisiko durch Abnehmspritzen (es ist weniger alarmierend, als manche Schlagzeilen glauben machen) und was musst Du beachten, wenn Du Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion hast?
Der Warnhinweis im Beipackzettel: Was er bedeutet – und was nicht
Alle GLP-1-Medikamente (Wegovy, Mounjaro und Saxenda) tragen denselben Warnhinweis in ihrer Fachinformation: Die Spritzen dürfen nicht von Personen angewendet werden, die eine persönliche oder familiäre Vorgeschichte eines medullären Schilddrüsenkarzinoms oder einer Multiplen Endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2) haben.
Dieser Warnhinweis basiert auf Tierversuchen. Bei Ratten und Mäusen haben GLP-1-Medikamente sogenannte parafollikuläre C-Zellen in der Schilddrüse stimuliert, was zu C-Zell-Proliferation und Karzinomen führte. Da auch beim Menschen GLP-1-Rezeptoren in der Schilddrüse diskutiert werden, wurde der Warnhinweis vorsichtshalber übernommen.
Der Warnhinweis bedeutet allerdings nicht, dass GLP-1 für alle Menschen mit Schilddrüsenerkrankung gefährlich ist. Grundsätzlich ist medulläres Schilddrüsenkarzinom eine seltene Erkrankung (weniger als 0,5 Fälle pro 100.000 Personen im Jahr). Hashimoto, Hypothyreose oder Schilddrüsenknoten (ohne die oben genannte Vorgeschichte) sind keine Kontraindikation.
Das Krebsrisiko beim Menschen: Was die Studien wirklich zeigen
Das Krebsrisiko beim Menschen: Was die Studien wirklich zeigen
Seit der Markteinführung von GLP-1-Medikamenten wird die Frage eines möglichen Schilddrüsenkrebsrisikos intensiv erforscht. Die Ergebnisse sind uneinheitlich, aber das Gesamtbild ist glücklicherweise weniger beunruhigend, als es die Berichterstattung teilweise vermuten lässt.
Studien mit Hinweisen auf ein Risiko
Eine Analyse von Daten des französischen Gesundheitssystems zeigte, dass eine GLP-1-Nutzung über 1–3 Jahre mit einem erhöhten Risiko für Schilddrüsenkarzinome verbunden war. Das Risiko war in dieser Gruppe etwa 58 % höher als bei Personen ohne diese Behandlung. Eine weitere große US-Analyse mit rund 352.000 Patientinnen und Patienten zeigte, dass im ersten Jahr nach Beginn einer GLP-1-Therapie 85 % häufiger Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurde.
Was zunächst gravierend klingt, ist jedoch zu relativieren. Das absolute Risiko war in beiden Studien sehr gering. In der Studie aus den USA erkrankten trotzdem nur 0,17 % der GLP-1-Nutzer:innen an Schilddrüsenkarzinomen (im Vergleich zu 0,17–0,23 % in der Vergleichsgruppe). Und es gibt einen sehr wichtigen methodischen Einwand daran: GLP-1-Nutzer:innen erhalten häufiger Schilddrüsen-Ultraschalluntersuchungen als Vergleichspersonen. Das könnte die Statistik verzerren, denn Krebs, der zunächst unentdeckt geblieben wäre, könnte früher diagnostiziert worden sein. Derzeit liegt kein direkter Kausalitätsnachweis vor.
Studien ohne Risikohinweise
In einer großen Kohortenstudie mit fast 100.000 Teilnehmenden aus den skandinavischen Ländern, die GLP-1-Medikamente nutzten, wurde im Vergleich zu anderen Diabetesmedikamenten kein signifikant erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs gefunden, auch nicht für medulläre Schilddrüsenkarzinome. Eine internationale, multizentrische Kohortenanalyse gelangt zu demselben Ergebnis: Es lässt sich kein erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs durch GLP-1-Medikamente feststellen. Schließlich zeigt auch eine Meta‑Analyse von 45 randomisierten Studien, dass GLP‑1‑Rezeptoragonisten das Risiko für Schilddrüsenkrebs und andere Schilddrüsenerkrankungen nicht signifikant erhöhen oder verringern. Die Ergebnisse sollten jedoch aufgrund der geringen Erkrankungshäufigkeit weiter untersucht werden.
Einschätzung der Studienlage
Für Menschen ohne spezifische Risikofaktoren wie medulläres Karzinom oder MEN 2 in der Eigen- oder Familienanamnese überwiegt der Nutzen von GLP-1-Medikamenten das gegenwärtig nicht sicher belegte Risiko. Ein Kausalzusammenhang beim Menschen wurde im Gegensatz zu Nagern bisher nicht erkannt. Positive Befunde könnten auch durch eine Verzerrung erklärbar sein, da GLP-1-Nutzer:innen häufiger kontrolliert werden. Zudem sind Schilddrüsenkarzinome grundsätzlich sehr selten.
Fachgesellschaften wie das Deutsche Schilddrüsenzentrum empfehlen, die Schilddrüse während einer GLP-1-Behandlung regelmäßig kontrollieren zu lassen – als Vorsichtsmaßnahme, nicht als Reaktion auf ein belegtes Risiko.
Hashimoto und GLP-1: Kann ich es trotzdem nehmen?
Viele Leser:innen stellen sich Fragen wie „Kann ich Wegovy nehmen, wenn ich Hashimoto habe?“. In der Regel lautet die Antwort ja. Hashimoto-Thyreoiditis und die daraus entstehende Schilddrüsenunterfunktion sind keine Kontraindikationen für GLP-1-Medikamente wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro. Wer kein medulläres Schilddrüsenkarzinom in der Vorgeschichte hat, ist durch den Beipackzettel-Warnhinweis nicht betroffen.
Es gibt jedoch wichtige Punkte, die Arzt und Patient gemeinsam im Blick behalten sollten:
L-Thyroxin-Resorption: GLP-1-Medikamente verlangsamen die Magenentleerung. Das kann die Aufnahme von Levothyroxin beeinflussen, das auf nüchternen Magen und mit zeitlichem Abstand zu anderen Medikamenten eingenommen werden muss. Personen, die sowohl Levothyroxin als auch GLP-1-Medikamente nutzen wollen, sollten nach einigen Wochen den TSH-Wert kontrollieren lassen.
TSH-Überwachung: Im Allgemeinen kann eine Gewichtsabnahme den Levothyroxin-Bedarf verändern. Bei signifikantem Gewichtsverlust sollte der TSH-Wert regelmäßig kontrolliert und die Dosis ggf. angepasst werden.
Erst die Schilddrüsenfunktion regulieren: Eine Schilddrüsenunterfunktion sollte zuerst behandelt werden, da ein unterfunktionaler Stoffwechsel die GLP-1-Wirksamkeit beeinträchtigen kann. Zudem wird der Gewichtsverlust dadurch erschwert.
Mögliche Vorteile: Erste Beobachtungsdaten deuten darauf hin, dass eine Gewichtsabnahme (auch durch GLP-1-Medikamente) bei Hashimoto entzündungshemmend wirken kann. Zwar ist das noch kein gesicherter Befund, aber eine biologisch plausible Beobachtung.
Wer darf GLP-1 wirklich nicht nehmen?
Folgende Kontraindikationen bei GLP-1-Medikamenten sind medizinisch eindeutig und klar definiert:
Medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte
Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN 2) in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte
Schwangerschaft
Außerdem sind folgende Krankheitsbilder möglicherweise Kontraindikationen:
Schwere Niereninsuffizienz (je nach Präparat)
Pankreatitis/Bauchspeicheldrüsenentzündung in der persönlichen Vorgeschichte (je nach Schwere)
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GLP-1 und Schilddrüse: Was bedeutet das konkret für Dich?
Wenn Du keine Schilddrüsenerkrankung hast, sollte ein mögliches Krebsrisiko nach aktueller Datenlage kein Grund sein, GLP-1-Medikamente nicht zu verschreiben. Deine Ärztin oder Dein Arzt wird vor der Verschreibung relevante Kontraindikationen prüfen und Dich anschließend begleiten.
Wenn Du Hashimoto oder Schilddrüsenunterfunktion hast, kannst Du in der Regel GLP-1-Medikamente anwenden. Informiere Deine Ärztin oder Deinen Arzt, um ggf. die Levothyroxin-Einnahme anzupassen oder die TSH-Werte regelmäßig zu kontrollieren.
Wenn Du in der Eigen- oder Familienanamnese medulläres Schilddrüsenkarzinom oder MEN 2 hast, sind GLP-1-Medikamente nicht für Dich geeignet. Bitte sprich mit Deiner Endokrinologin oder Deinem Endokrinologen über Alternativen.
In jedem Fall werden Abnehmspritzen mit GLP-1 nur auf Rezept verschrieben. Eine sorgfältige ärztliche Anamnese ist immer der erste und wichtigste Schritt.
Du bist unsicher, ob Du GLP-1-Medikamente wie Wegovy oder Mounjaro nutzen darfst? Fülle einfach das kurze Formular aus, um herauszufinden, ob Du geeignet bist.
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FAQ: GLP-1 und Schilddrüse
Ja, es ist empfehlenswert, die Schilddrüse vor Behandlungsbeginn mit GLP-1 untersuchen zu lassen, vor allem bei Vorerkrankungen. Eine Basis-Schilddrüsensonographie und die Untersuchung des TSH-Werts sind sinnvoll. Pflicht ist es nur bei Verdacht auf Kontraindikationen – Deine Ärztin oder Dein Arzt wird Dich dazu beraten.
Es ist ratsam, die Schilddrüse mindestens einmal im Jahr kontrollieren zu lassen. Bei bestehender Schilddrüsenunterfunktion sollte sie sogar alle 3–6 Monate untersucht werden, vor allem im ersten Jahr mit GLP-1-Medikamenten.
Es gibt derzeit keine Belege dafür, dass GLP-1 Hashimoto verschlimmert. Im Gegenteil: Eine Gewichtsabnahme (auch mithilfe von GLP-1) kann Entzündungsprozesse sogar lindern.
Nein, obwohl das häufig behauptet wird. Beim Menschen wurde kein Kausalzusammenhang belegt. In mehreren groß angelegten Studien wurde kein erhöhtes Risiko gefunden. Empfehlungen zur Schilddrüsen-Kontrolle sind lediglich eine Vorsichtsmaßnahme. Die Forschungen laufen allerdings noch weiter.
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