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Oral vs. Injectable GLP-1: Welche Form ist die richtige für Dich?

GLP-1-Medikamente waren lange nur als Spritze verfügbar. Ab 2025 wird die Tablette zur echten Alternative für das Gewichtsmanagement. Mit einer ähnlichen Wirksamkeit, aber einem anderen Alltag.

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 29. Januar 2025

Forschungsbasierter Ratgeber

Die GLP-Revolution bekommt eine neue Option

GLP-1-Medikamente waren lange nur als Spritze verfügbar. Ab 2025 wird die Tablette zur echten Alternative für das Gewichtsmanagement. Mit einer ähnlichen Wirksamkeit, aber einem anderen Alltag. 

Jahrelang war die Antwort eindeutig. Wenn Du mit GLP-1-Medikamenten abnehmen möchtest, musstest Du zur Spritze greifen. Wöchentliche Injektionen mit Wegovy oder Mounjaro, täglich mit Saxenda, das war der Deal. Für viele funktionierte das gut, für andere war es eine echte mentale oder praktische Hürde.

Doch 2025 ändert sich das Spiel grundlegend. Orale GLP-1-Formulierungen sind nicht mehr nur “in Entwicklung”. Mit oralem Wegovy (Semaglutid 25 mg) steht erstmals eine Tablette kurz vor der Markteinführung, die gezielt für das Gewichtsmanagement gedacht ist. Die FDA-Entscheidung wird für Q4 2025 erwartet, die EMA-Zulassung für Europa erfolgt voraussichtlich 2025/2026. 

Damit wird die Entscheidung persönlicher. Es heißt nicht mehr “Spritze oder nichts?”, sondern: Welche Form passt besser zu meinem Alltag, meinen Gewohnheiten und meiner langfristigen Strategie?

Injizierbare GLP-1s haben jahrelange Studiendaten und eine bewährte Wirksamkeit. Orale Formen bieten Komfort und eliminieren eine Spritzenphobie. Dieser Artikel vergleicht orale und injizierbare GLP-1-Therapien objektiv, evidenzbasiert und praxisnah, damit Du eine informierte Entscheidung für Deine Situation treffen kannst. 

Die aktuellen Optionen: Was ist verfügbar (oder kommt bald)?

Wenn Du Dich aktuell mit GLP-1 beschäftigst, gibt es zwei klar getrennte Welten: bewährte Injektionen, die heute verfügbar sind, und orale Optionen, die kurz vor dem Durchbruch stehen. 

Injizierbare GLP-1s, die bereits in Deutschland verfügbar sind

Diese Medikamente gelten als etablierter Standard und sind gut erforscht.

Wöchentliche Injektionen:

  • Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) - Pen-Injektor, subkutan

  • Ozempic (Semaglutid 1-2mg) - Off-Label für Gewichtsmanagement

  • Mounjaro (Tirzepatid 5-15 mg) - Dual GIP/GLP-1-Agonist, besonders wirksam

Tägliche Injektionen:

  • Saxenda (Liraglutid 3 mg) - Täglicher Pen

  • Victoza (Liraglutid 1,8 mg) - Für Diabetes zugelassen

Orale GLP-1s - verfügbar und in Entwicklung

Bereits zugelassen (für Diabetes): 

  • Rybelsus (orales Semaglutid 3-7-14 mg)

    • Seit 2020 in Deutschland zugelassen

    • Tägliche Einnahme nüchtern, komplizierte Einnahmevorschrift

    • Nur für Typ-2-Diabetes, nicht für das Gewichtsmanagement zugelassen

Kommend 2025-2026 (für Gewichtsmanagement):

  • Orales Wegovy (Semaglutid 25 mg)

    • FDA-Antrag: Oktober 2024

    • Erwartete Entscheidung: Q4 2025

    • EMA/Deutschland-Zulassung: 2025-2026

    • Tägliche Einnahme

    • OASIS-4-Studie: 13,6 % Gewichtsverlust vs. 2,2 % Placebo nach 64 Wochen

  • Orforglipron (Eli Lilly)

    • Einmal täglich, oral

    • Studiendaten zeigen bis zu 15 % Gewichtsverlust

    • Mögliche Zulassung 2026-2027

  • Weitere Kandidaten: 

    • Amycretin (Novo Nordisk)

    • Aleniglipron (Structure Therapeutics)

    • Viking VK2735

Der Ausblick: 

Ende 2025 könnte die erste GLP-1-Tablette für Gewichtsmanagement in Deutschland verfügbar sein. Ab 2026 wird die Auswahl größer. Expert:innen erwarten bis 2030 einen Marktanteil von rund 20 % für orale GLP-1s.

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Der direkte Vergleich: Wirksamkeit

Am Ende zählt das Ergebnis und hier ist die Tablette überraschend nah an der Spritze. Bei richtiger Einnahme ist orales Semaglutid nahezu gleich wirksam wie die injizierbare Form. 

Die wichtigste Frage zuerst: Kann eine Tablette wirklich so gut wirken wie eine Spritze?

Die Antwort aus den Studiendaten lautet: Ja, wenn Du sie konsequent richtig einnimmst. 

Gewichtsverlust im Vergleich

Wegovy Spritze (2,4 mg wöchentlich)

  • STEP-1-Studie: 14,9 % Gewichtsverlust nach 68 Wochen

  • Real-World-Daten Deutschland: 7,7 % nach 12 Monaten

  • 79 % erreichten 5 % Gewichtsverlust oder mehr

  • 50 % erreichten 15 % Gewichtsverlust oder mehr

Orales Wegovy (25 mg täglich)

  • OASIS-4-Studie: 13,6 % Gewichtsverlust nach 64 Wochen

  • 79 % erreichten 5 % Gewichtsverlust oder mehr

  • 70 % erreichten 10 % Gewichtsverlust oder mehr

  • Vergleichbare Wirksamkeit zu injizierbarem Semaglutid bei richtiger Dosierung

Mounjaro Spritze (15 mg wöchentlich)

  • SURMOUNT-1: 20,9 % Gewichtsverlust nach 72 Wochen

  • Real-World: 12,4 % nach 12 Monaten

  • Aktuell stärkster zugelassener GLP-1-Agonist

Orales Rybelsus (14 mg täglich für Diabetes)

  • Nur 3-5 % Gewichtsverlust (niedrige Dosis für Diabetes-Injektion)

  • Nicht vergleichbar mit Wegovy-Dosierungen

  • Zeigt aber: Orales Semaglutid funktioniert prinzipiell 

Der Unterschied zwischen oralem und injizierbarem Semaglutid ist statistisch nicht signifikant. Entscheidend ist weniger die Darreichungsform, sondern, wie zuverlässig Du sie anwendest. 

Was Du unbedingt wissen solltest

  • Orales Semaglutid erreicht nahezu identische Gewichtsverlust-Ergebnisse wie die injizierbare Form, braucht aber eine höhere Dosis (25 mg vs. 2,4 mg)

  • Der Grund: Bioverfügbarkeit nur ca. 1 %

  • Einnahmefehler (nicht nüchtern, falsches Timing) führen zum Wirkverlust

Injectables sind eher “Fire and forget”, also einmal spritzen und fertig. Die Tablette dagegen verlangt mehr Disziplin, belohnt diese aber mit einer nahezu gleichen Wirksamkeit. 

Einnahme und Alltagstauglichkeit: Der praktische Unterschied

Hier zeigt sich der größte praktische Unterschied zwischen Tablette und Spritze. Nicht in der Wirkung, sondern darin, wie gut die Therapie zu Deinem echten Leben passt. 

Injectable GLP-1s - selten, robust, verlässlich

Injectables wie Wegovy oder Mounjaro werden subkutan gespritzt, meist in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Die Pens sind vorgefüllt, die Nadeln sehr dünn (4-8 mm) und die Anwendung dauert 2-3 Minuten. 

Frequenz & Aufwand:

  • Wegovy & Mounjaro: einmal pro Woche, fester Wochentag

  • Saxenda: täglich (für viele deutlich belastender)

  • 2-3 Minuten Aufwand pro Injektion

  • Lagerung im Kühlschrank nötig (2-8 °C)

  • Reisen erfordern etwas Planung (Kühlakkus, TSA-Freigabe, Zollpapiere bei internationalen Trips, Handgepäck)

  • Nach Abbruch ist die Anwendung von Wegovy noch 28 Tage bei Raumtemperatur möglich

Viele berichten, dass nach wenigen Wochen die Spritze zur Routine wird. Fast wie ein “Fire-and-forget”-Moment. Die Fehlertoleranz ist hoch. Du spritzt, und der Wirkstoff erledigt den Rest. 

Orale GLP-1s - täglich, diskret, aber anspruchsvoll

Die Tablette klingt einfacher, ist es aber nur, wenn Dein Morgen strukturiert ist. Für orales Semaglutid (bekannt von Rybelsus, ähnlich bei oralem Wegovy) gilt ein strengeres Protokoll. 

Kritische Einnahmevorschrift (MUSS unbedingt befolgt werden):

  1. Morgens auf nüchternen Magen (nach mindestens 6 Stunden Fasten)

  2. Mit maximal 120 ml Wasser (halbes Glas)

  3. Tablette ganz schlucken (nicht kauen, teilen, zerkleinern)

  4. Danach 30 Minuten warten. NICHTS essen, trinken oder andere Medikamente einnehmen

  5. Nach 30 Minuten kann der normale Tag beginnen

Alltag & Reisen: 

  • Einnahme selbst: 30 Sekunden

  • Wartezeit: 30 Minuten (entscheidend!)

  • Keine Kühlung, keine Nadeln. Ideal für Reisen

  • Sehr diskret, psychologisch “normal” (Tablette = gewohnt)

Die Kehrseite ist, dass Einnahmefehler einen Wirkverlust für den ganzen Tag bedeuten. Für Morgenmuffel, Schichtarbeit oder chaotische Routinen kann das schnell frustrierend sein. 

Alltagsfazit: Welche Form passt wirklich zu Dir?

Am Ende ist die Entscheidung zwischen Tablette und Spritze keine medizinische Detailfrage, sondern eine persönliche. Beide Optionen können wirken. Entscheidend ist, welche Du realistisch in Deinen Alltag integrieren kannst. 

Injectable GLP-1s sind ideal für Menschen, die es pragmatisch mögen. Ein fester Wochentag, wenige Minuten Aufwand und danach Ruhe. Sie passen besonders gut, wenn Deine Morgen eher hektisch sind, Du unregelmäßig frühstückst oder das Thema “täglich daran denken” eher Stress auslöst. Auch für viele gilt, dass einmal spritzen und dann vergessen sich mental deutlich leichter anfühlt. Die hohe Fehlertoleranz macht Injectables sehr alltagssicher.

Orale GLP-1s spielen ihre Stärken woanders aus. Sie sind perfekt für alle mit Spritzenphobie, einer klaren Morgenroutine und dem Wunsch nach maximaler Diskretion. Keine Nadeln, keine Kühlung, kein Erklären beim Reisen oder am Arbeitsplatz. Wenn Dein Tag morgens ruhig beginnt und ein nüchternes Zeitfenster für Dich kein Problem ist, kann die Tablette sich sehr “normal” anfühlen. Der Preis dafür ist Disziplin. Jeder Einnahmefehler kostet Wirksamkeit. 

Unterm Strich gilt: 

Die beste Therapie ist nicht die theoretisch bequemste, sondern die, die Du langfristig durchziehst. 

Nebenwirkungen: Gibt es Unterschiede?

Die Nebenwirkungen sind bei Tabletten und Spritzen sehr ähnlich, gut bekannt und meist nur vorübergehend. Kleine Unterschiede gibt es vor allem im Magen-Darm-Bereich und bei der Langzeiterfahrung. 

Typisch für beide GLP-1-Formen

Unabhängig von der Darreichungsform treten vor allem Magen-Darm-Beschwerden auf, besonders in den ersten Wochen. 

  • Übelkeit: 40-50 % (häufig in den ersten 4-8 Wochen)

  • Erbrechen: 10-20 %

  • Durchfall: 20-30 %

  • Verstopfung: 20-25 %

  • Völlegefühl und Blähungen: 15-25 %

  • Bauchschmerzen: 10-15 % 

  • Seltener treten Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Geschmacksveränderungen auf

Die gute Nachricht ist, dass bei den meisten diese Effekte mit der Zeit abklingen, sobald sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat. 

Wichtige Unterschiede zwischen Tabletten und Spritzen

Orale GLP-1s gehen etwas häufiger mit Magen-Darm-Nebenwirkungen einher. Studien zu oralem Wegovy zeigen leicht höhere Raten von Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Der Grund ist, dass der Wirkstoff direkt mit dem Magen in Kontakt kommt. Dafür entfallen Injektionsstellen-Reaktionen komplett. 

Injectable GLP-1s haben hier den umgekehrten Trade-off. Magen-Darm-Beschwerden sind etwas seltener, dafür können lokale Hautreaktionen wie Rötungen oder Juckreiz an der Einstichstelle auftreten. Diese sind überwiegend mild, kurzzeitig und durch das Rotieren der Injektionsstellen gut kontrollierbar. Der Pluspunkt ist, dass Injectables über jahrelange Langzeit- und Sicherheitsdaten verfügen. 

Wichtig zu wissen

Schwere Nebenwirkungen sind bei beiden Formen selten.

  • Pankreatitis: Selten (< 0,5 %), aber ernsthaft

  • Gallenblasen-Probleme: 1-2 % (Gallensteine bei schnellem Gewichtsverlust)

  • Hypoglykämie: Selten ohne Diabetes-Medikation

  • Schilddrüsen-Bedenken: Theoretisch (MTC-Risiko in Tierstudien, nicht in Menschen bestätigt)

Die Abbruchraten liegen insgesamt niedrig und unterscheiden sich nur geringfügig. Mit einer langsamen Dosissteigerung, kleinen, häufigeren Mahlzeiten, einer proteinfokussierten Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und Geduld lassen sich die meisten Nebenwirkungen gut managen. 

Zulassungsstatus und Verfügbarkeit in Deutschland

Wenn Du jetzt starten willst, führt kein Weg an der Spritze vorbei. Die Tablette braucht noch Zeit. 

Injectable GLP-1s - aktueller Status

Injectable GLP-1-Medikamente sind in Deutschland bereits zugelassen und im Alltag etabliert. Wegovy ist seit 2022 EMA-zugelassen und nach den Engpässen 2023/2024 deutlich besser verfügbar. Mounjaro ist seit 2024 auch für Adipositas zugelassen, die Verfügbarkeit kann je nach Apotheke schwanken. Saxenda ist schon lange auf dem Markt und vergleichsweise stabil lieferbar. 

Orale GLP-1s - Blick nach vorn

Rybelsus ist zwar seit 2020 in Deutschland erhältlich, aber ausschließlich für Typ-2-Diabetes zugelassen und keine echte Option für Gewichtsmanagement. Entscheidend wird das orale Wegovy sein: Der FDA-Antrag läuft seit Oktober 2024, eine Entscheidung wird für Q4 2025 erwartet. In Deutschland ist ein Marktstart frühestens Ende 2025 erwartet, ein realistischer Anfang ist jedoch Anfang 2026. Weitere orale Optionen sind längerfristig Orfoglipron (Eli Lilly) mit einer Zulassung frühestens 2026-2027, Amycretin (Novo Nordisk), dessen Zulassung für 2027-2028 erwartet wird, oder Aleniglipron, das sich noch in den frühen Phasen der Zulassung befindet und frühestens 2028 erwartet wird.

Wie bei früheren GLP-1-Launches sind zu Beginn begrenzte Mengen möglich. Trotz ausgebauter Produktion könnte die Nachfrage anfangs höher sein als das Angebot.

Stimmen aus der Praxis: Was sagen echte Nutzer:innen?

Was in Studien überzeugt, fühlt sich im Alltag oft ganz unterschiedlich an. Genau das zeigen die Erfahrungen von Patient:innen mit GLP-1-Therapien sehr deutlich. 

Injectable-Nutzer:innen berichten

Injectable-Nutzer:innen berichten häufig von mehr Gelassenheit im Alltag. Aussagen wie “Einmal wöchentlich Mittwochabend - den Rest der Woche denke ich nicht daran.” sind typisch. Besonders geschätzt werden die Flexibilität beim Frühstück und der geringe mentale Aufwand nach der Eingewöhnung. Kritik gibt es vor allem beim Reisen (“Reisen mit Kühlakku ist nervig, besonders Langstreckenflüge.”). Kühlakkus, Pens im Kühlschrank und die ersten Injektionen können nerven oder Überwindung kosten. 

Rybelsus-Nutzer:innen (Diabetes, niedrige Dosis) berichten

Tabletten-Nutzer:innen (aktuell meist Rybelsus bei Diabetes) erleben vor allem psychische Erleichterung (“Endlich keine Spritzen mehr - psychologisch riesiger Unterschied.”). Keine Nadeln, maximale Diskretion und unkompliziertes Reisen werden immer wieder genannt. Gleichzeitig empfinden viele das strikte “30-Minuten-Fenster morgens als störend - besonders am Wochenende.” Ein vergessener Tag fühlt sich sofort wie ein Rückschritt an. 

Unterm Strich zeigt sich ein klares Muster. Die einen gewinnen Freiheit zwischen den Anwendungen, die anderen Freiheit im Kopf. Keine Form passt für alle, aber jede passt perfekt für die Richtigen. 

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