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Wie bekomme ich Wegovy oder Mounjaro in Deutschland verschrieben?

Versorgungswege und ärztliche Verschreibung verständlich erklärt

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 18. Juli 2025

Forschungsbasierter Ratgeber

Wegovy, Mounjaro und andere GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion werden in Deutschland über unterschiedliche medizinische Versorgungswege verordnet. Dazu zählen unter anderem Hausarztpraxen, Adipositas-Zentren und telemedizinische Angebote. Ob eine medikamentöse Behandlung medizinisch infrage kommt und welches Präparat gegebenenfalls geeignet ist, wird individuell ärztlich beurteilt.

Für die ärztliche Beurteilung können unter anderem die Krankengeschichte, bestehende Begleiterkrankungen, bisherige Maßnahmen zum Gewichtsmanagement sowie aktuelle medizinische Befunde relevant sein. Auch Verfügbarkeit und Kostenübernahme können je nach Präparat und individueller Situation eine Rolle spielen.

Dieser Ratgeber begleitet Dich durch den gesamten Prozess. Von der Prüfung der Voraussetzungen bis zur ärztlichen Entscheidung über eine mögliche Behandlung.

Voraussetzungen prüfen: Welche medizinischen Kriterien gelten?

Bevor Du Termine buchst, lohnt sich ein realistischer Blick auf Deine Situation. Ärzt:innen nutzen klare medizinische Kriterien, um zu entscheiden, ob eine GLP-1-Therapie infrage kommt.

Die medizinischen Mindestanforderungen

Grundsätzlich kommen je nach zugelassenem Präparat bestimmte BMI-Kriterien zur Anwendung: Entweder liegt eine BMI von mindestens 30 (Adipositas) vor, berechnet als Gewicht in kg geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Oder der BMI liegt bei mindestens 27 und es besteht eine gewichtsbedingte Begleiterkrankung wie Prädiabetes, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Schlafapnoe, PCOS, nicht-alkoholische Fettleber oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die konkreten Voraussetzungen ergeben sich aus der jeweiligen Zulassung und Fachinformation. Ob eine Behandlung im Einzelfall medizinisch angezeigt ist, erfordert darüber hinaus eine individuelle ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung.

Weitere Kriterien, die Ärzt:innen heranziehen können

Diese Punkte zeigen, ob eine langfristige Therapie realistisch und sicher ist:

  • Dokumentierte Gewichtsverlust-Versuche (3-6 Monate)

  • Stabile psychische Gesundheit

  • Realistische Erwartungen

  • Begleit- und Vorerkrankungen

  • Bereitschaft zur langfristigen Therapie

  • Keine aktiven Essstörungen

Absolute Kontraindikationen - in diesen Fällen erfolgt üblicherweise keine Verschreibung:

  • Schwangerschaft, Kinderwunsch, Stillzeit

  • Familiäre Vorgeschichte: medulläres Schilddrüsenkarzinom

  • MEN2

  • Gastroparese

  • Aktive Pankreatitis

  • Akute anorektische/bulimische Essstörungen

Ob eine Behandlung infrage kommt, lässt sich allein anhand einzelner Kriterien nicht abschließend beurteilen und wird ärztlich geklärt.

Fragen zu Übergewicht und Adipositas?

Ein ärztliches Gespräch klärt, welche Behandlungswege infrage kommen.

Vorbereitung: Welche Unterlagen können für die ärztliche Beurteilung relevant sein?

Eine gründliche Vorbereitung kann den Unterschied zwischen Ablehnung und Verschreibung ausmachen. Ärzt:innen, egal ob Hausarzt oder Endokrinologe, achten besonders auf gut strukturierte, nachvollziehbare Dokumentation. Dokumente helfen Ärzt:innen, Deinen Verlauf und Deine Herausforderungen nachzuvollziehen. Welche Unterlagen tatsächlich erforderlich sind, entscheidet die behandelnde Praxis.

1. Gewichtsdokumentation - der wichtigste Baustein

Eine sorgfältige Gewichtsdokumentation kann für die medizinische Beurteilung relevant sein. Stelle idealerweise eine Gewichtskurve der letzten 2-5 Jahre zusammen, die den Verlauf nachvollziehbar macht. Besonders wertvoll sind offizielle Messungen aus Apotheken oder Arztpraxen, da diese als verlässliche Nachweise gelten. Dokumentiere auch wiederkehrende Gewichtszunahmen, sie können für die Beurteilung des Gewichtsverlaufs relevant sein. Optional, aber hilfreich: Fotos zur Verlaufssichtbarkeit, die die körperliche Veränderung über die Zeit dokumentieren.

2. Dokumentation bisheriger Gewichtsmanagement-Versuche

Mit dieser Dokumentation können bisherige Maßnahmen zum Gewichtsmanagement nachvollzogen werden. Erstelle eine Liste aller Diäten mit Zeitraum und konkreten Ergebnissen, wie zum Beispiel: „Low-Carb von 01/23 bis 06/23: -4 kg, danach +6 kg". Füge Nachweise über Ernährungsberatungen hinzu, einschließlich Beratungsstellen und Teilnahmebestätigungen. Dokumentiere auch Bewegungsprogramme im Fitnessstudio, strukturierte Programme wie Weight Watchers oder Noom sowie frühere medikamentöse Versuche mit Präparaten wie Orlistat. Diese Dokumentationen können der ärztlichen Fachperson helfen, die bisherige Krankheits- und Behandlungsgeschichte einzuordnen.

3. Aktuelle medizinische Unterlagen

Für eine fundierte ärztliche Beurteilung sind aktuelle Blutwerte häufig relevant, die idealerweise nicht älter als drei Monate sein sollten. Dazu gehören HbA1c und Nüchternblutzucker zur Beurteilung Deines Glukosestoffwechsels, ein Lipidprofil für die Fettstoffwechselsituation, Leberwerte wie ALT und AST sowie Nierenwerte wie Kreatinin und eGFR. Auch der TSH-Wert zur Schilddrüsenfunktion kann relevant sein. Ergänze Blutdruckprotokolle, wenn Du erhöhte Werte hast, sowie eine Liste aller aktuellen Diagnosen und Medikamente. Diese Unterlagen ermöglichen es Ärzt:innen, die medizinische Situation zu beurteilen.

4. Finanzielle Planung

Da GLP-1-Therapien nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden, ist eine realistische finanzielle Planung entscheidend. Die Kosten können je nach Präparat und Versorgungssituation variieren und ein vorzeitiges Absetzen führt häufig zur Gewichtszunahme. Falls Du privat versichert bist, prüfe Deinen Vertrag auf mögliche Erstattungen. Einige PKV-Tarife übernehmen die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen.

Realistische Erwartungen: Was Du wissen musst

GLP-1-basierte Medikamente wie Wegovy und Mounjaro zeigen in klinischen Studien eine klare Wirksamkeit, allerdings mit individueller Variabilität. Die Wirksamkeit von Semaglutid (Wegovy) wurde unter anderem in der STEP-1-Studie untersucht: Teilnehmer:innen verloren im Durchschnitt rund 14,9 % ihres Körpergewichts über 68 Wochen, begleitet von einer strukturierten Dosissteigerung und ärztlichem Monitoring. Dabei handelt es sich um einen Studienmittelwert und nicht um eine Vorhersage des individuellen Behandlungsergebnisses.

Für Tirzepatid (Mounjaro) zeigen die SURMOUNT-Studien ebenfalls deutliche durchschnittliche Gewichtsreduktionen, häufig im Bereich von 15–20 %. Dennoch gilt: Die Ergebnisse variieren, abhängig von Ausgangsgewicht, Begleiterkrankungen, Genetik, Ernährung, Bewegung und Therapietreue. Direkte und indirekte Vergleiche zwischen Wirkstoffen sollten unter Berücksichtigung des jeweiligen Studiendesigns und der untersuchten Population interpretiert werden.

Erwartbare Ergebnisse

  • Wegovy: 10–15 % Gewichtsreduktion

  • Mounjaro: 15–20 %

Nach Absetzen

Studien zeigen, dass es nach dem Absetzen einer medikamentösen Behandlung zu einer erneuten Gewichtszunahme kommen kann. Eine langfristige Strategie ist daher ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Betreuung.

Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung treten zwar auf, sind aber in der Regel vorübergehend. Art und Häufigkeit unterscheiden sich je nach Präparat. Durch eine langsame Dosissteigerung können sie deutlich reduziert werden.

Option 1: Der Weg über Hausärzt:innen und was Du wissen solltest

Hausärztliche Praxen können eine erste Anlaufstelle für die medizinische Aufklärung von Übergewicht und Adipositas sein. Ob dort eine medikamentöse Therapie begonnen wird oder eine Überweisung an eine spezialisierte Fachpraxis erfolgt, hängt vom individuellen Fall und vom Behandlungsschwerpunkt der Praxis ab.

Vorteile

  • Kennen Deine Krankengeschichte

  • Können Blutwerte direkt anordnen

  • Kein Zusatzhonorar für Erstkonsultation

  • Kontinuität der Betreuung

  • gegebenenfalls Überweisung an spezialisierte Fachrichtungen

Nachteile

  • Einige Faktoren können die Behandlung beeinflussen:

  • Skepsis aufgrund von Lieferengpässen und anderen Bedenken

  • Vorrang für Diabetes-Patient:innen

  • Geringe Erfahrung mit GLP-1-Therapie

  • Konservative Haltung und präferiere Alternativen

Ablauf der ärztlichen Beurteilung

Ein strukturiertes Vorgehen erhöht Deine Erfolgschancen deutlich. Buche ausdrücklich einen längeren Termin. Ein Standard-Termin von 10 Minuten reicht für ein ausführliches Gespräch über GLP-1-Therapien nicht aus. Erkläre bei der Terminvereinbarung, worum es geht, damit ausreichend Zeit eingeplant wird. Bringe alle oben beschriebenen Unterlagen vollständig mit: Gewichtsdokumentation, Nachweise bisheriger Abnehmversuche, aktuelle Blutwerte und medizinische Befunde. Je besser Du vorbereitet bist, desto professioneller wirkst Du und desto schneller kann Dein Arzt oder Deine Ärztin eine fundierte Entscheidung treffen.

Im Gespräch solltest Du klar und strukturiert formulieren, was Du Dir wünschst und warum. Ein guter Einstieg ist zum Beispiel: „Ich möchte über eine medikamentöse Unterstützung beim Gewichtsmanagement sprechen.“ Dadurch vermittelst Du medizinische Ernsthaftigkeit, ohne den Eindruck zu erwecken, dass Du nur ein bestimmtes Markenpräparat ausprobieren möchtest. Aus genau diesem Grund solltest Du Aussagen wie „Ich möchte Wegovy/Ozempic probieren“ vermeiden, da sie schnell so wirken können, als würdest Du einem Trend folgen.

Stattdessen ist es hilfreich, Deine vorhandenen Begleiterkrankungen klar zu benennen und Deine bisherigen dokumentierten Gewichtsmanagement-Versuche vorzulegen. Das zeigt, dass Du Dich bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hast und die medikamentöse Therapie nicht als Erstversuch siehst. Außerdem kannst Du deutlich machen, dass Du bereit bist, die Behandlung privat zu finanzieren, da dies ein häufiges Entscheidungskriterium für Ärzt:innen ist.

Sollte Dein bevorzugtes Medikament nicht verfügbar sein oder der Arzt Bedenken äußern, kannst Du nach Alternativen wie Saxenda fragen. Und falls Dein Anliegen dennoch abgelehnt wird, ist es sinnvoll und völlig legitim, um eine Überweisung zu einer spezialisierten Praxis, beispielsweise zu einem Endokrinologen oder einem Adipositas-Zentrum, zu bitten.

Option 2: Endokrinologe/Diabetologe - der Stoffwechselspezialist

Endokrinolog:innen haben häufig besondere Erfahrung mit GLP-1-Medikamenten und ihre Risikoabwägung kann bei komplexen Stoffwechselerkrankungen eine wichtige Rolle spielen.

Vorteile

  • Hohe Expertise bei Stoffwechselerkrankungen

  • Erfahrung mit Wegovy, Mounjaro, Saxenda

  • Bessere Einschätzung komplexer Fälle

  • Strukturiertes Monitoring

Nachteile

  • Wartezeiten von 3-6 Monaten

  • Teilweise Überweisung nötig

  • Fokus oft auf Diabetes

Wie bekommst Du einen Termin?

Es gibt mehrere Wege, um an einen Termin bei Endokrinolog:innen zu kommen. Mit einer Überweisung vom Hausarzt verkürzt sich oft die Wartezeit, da viele Praxen Überweisungspatient:innen bevorzugt behandeln. Du kannst aber auch ohne Überweisung direkt als Selbstzahler anfragen. Das ist rechtlich möglich und wird von vielen Praxen akzeptiert. Privatsprechstunden bieten häufig deutlich schnellere Termine, allerdings zu höheren Kosten.

Terminverfügbarkeit

Nutze auch die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen; sie sind verpflichtet, Dir innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin zu vermitteln, wenn Du eine Überweisung hast.

Option 3: Adipositas-Zentren und spezialisierte Kliniken

Adipositas-Zentren und spezialisierte Kliniken verfolgen häufig einen multidisziplinären Behandlungsansatz und behandeln Adipositas als chronische Erkrankung.

Vorteile

  • Spezialisiertes Fachwissen

  • Multidisziplinäre Betreuung

  • Hohe Erfahrung mit GLP-1

  • Strukturierte Therapiepfade

Nachteile

  • je nach Einrichtung und Leistung können Kosten entstehen

  • Verfügbarkeit regional begrenzt

  • Teilweise verpflichtende Programmbestandteile

Wo findest Du Zentren?
Adipositas-Zentren findest Du über die Deutsche Adipositas-Gesellschaft, die eine Übersicht zertifizierter Einrichtungen bietet. Auch viele Unikliniken wie die Charité in Berlin, das UKE in Hamburg oder die Universitätsklinik Leipzig verfügen über spezialisierte Adipositas-Ambulanzen mit erfahrenen interdisziplinären Teams.

Was erwartet Dich?

Der Ablauf in Adipositas-Zentren folgt einem strukturierten Konzept: Nach einem ausführlichen Erstgespräch erfolgen eine umfassende Diagnostik und die Erstellung eines individuellen Therapieplans. Die Behandlung umfasst regelmäßige Ernährungsberatung, oft auch eine psychologische Einschätzung, um mögliche Essstörungen oder emotionale Faktoren zu berücksichtigen. Während der gesamten Therapie finden laufende ärztliche Kontrollen statt, um Wirkung und Verträglichkeit der Medikation zu überwachen.

Der Umfang der Behandlung kann je nach Einrichtung zeit- und kostenintensiver sein.

Option 4: Online-Telemedizin - sorgfältig wählen

Auch telemedizinische Angebote können eine Zugang zu ärztlicher Beratung ermöglichen. Ob eine Behandlung vollständig teemedizinisch durchgeführt werden kann, hängt von der individuellen medizinischen Situation und der ärztlichen Einschätzung ab.

Vorteile

  • Termine gibt’s je nach Anbieter auch kurzfristig

  • Bequem und diskret

  • GLP-1-Erfahrung ist häufig vorhanden

  • Klar definierte Prozesse

Nachteile

  • Keine körperliche Untersuchung

  • Unterschiede zwischen Plattformen und Behandlungsmodellen

  • Weniger persönliche langfristige Betreuung

So erkennst Du seriöse Anbieter

Bei der Wahl eines Telemedizin-Anbieters ist Sorgfalt entscheidend. Achte darauf, dass ausschließlich deutsche oder EU-zugelassene Ärzt:innen die Verschreibung vornehmen. Ein seriöser Anbieter stellt eine angemessene ärztliche Beurteilung sicher. Die medizinische Anamnese muss vollständig sein und Deine gesundheitliche Vorgeschichte umfassend erfassen. Zudem sollte eine klare, transparente Preisstruktur vorliegen. Versteckte Kosten sind ein Warnsignal.

Warnsignale - In diesen Fällen lass lieber die Finger davon

Bestimmte Anzeichen deuten auf unseriöse Anbieter hin: Verspricht jemand eine „garantierte Verschreibung", ist das medizinisch unseriös. Keine:r kann im Voraus garantieren, dass eine Verschreibung medizinisch vertretbar ist. Fehlt ein vollständiges Impressum mit Angaben zu verantwortlichen Personen und Unternehmenssitz, ist Vorsicht geboten. Auch Dienste, die nur einen Fragebogen ohne persönlichen Kontakt anbieten, sind fragwürdig.

Ablauf bei seriösen Telemedizin-Anbietern

Der typische Ablauf gestaltet sich wie folgt: Du registrierst Dich auf der Plattform und füllst einen ausführlichen medizinischen Fragebogen aus. Anschließend lädst Du aktuelle Blutwerte und relevante medizinische Unterlagen hoch. Es folgt eine ärztliche Konsultation mit einem Arzt oder einer Ärztin, in der Deine Situation besprochen und Fragen geklärt werden. Nach dieser Konsultation trifft die ärztliche Fachperson eine Entscheidung über die Verschreibung. Bei positiver Beurteilung erhältst Du Dein Rezept digital oder per Post.