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Warum GLP-1 bei manchen besser wirkt als bei anderen

Warum nehmen manche Menschen mit GLP-1 Medikamenten mehr ab als andere? Der Einfluss der Genetik, was man tun kann, wenn GLP-1 weniger wirkt, und ob Gentests in Deutschland verfügbar sind.

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Medically reviewed by

Dr. Sarah Bechstein

clockAktualisiert am 29. September 2026

Forschungsbasierter Ratgeber

Die Genetik spielt eine große Rolle bei der Wirksamkeit von GLP-1 Medikamenten. Du nimmst Mounjaro oder Wegovy, erzielst nicht die gewünschten Ergebnisse und fragst Dich, "Warum nehme ich mit GLP-1 nicht ab?"?

Menschen nehmen durch die Anwendung verschieden viel ab, das ist ganz normal. Es kann zwar an fehlender Disziplin liegen – jedoch gibt es einen anderen sehr wahrscheinlichen Grund, der nichts damit zu tun hat, ob man etwas falsch macht: die Genetik. 

Eine Studie, veröffentlicht im April 2026, zeigt, dass kleinste genetische Unterschiede vorhersagen können, wie gut GLP-1-Medikamente wirken, sowohl in Bezug auf die Effektivität beim Abnehmen als auch in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen. Manche Körper reagieren biologisch stärker auf diese Medikamente als andere. Das ist aber kein Grund, aufzugeben.

Die Studie: Was wurde herausgefunden?

In einer neuen Studie haben Forscher:innen bei einer genetischen Untersuchung bei über 27.000 GLP-1-Nutzer:innen zwei wichtige Genvarianten gefunden, die Unterschiede im Abnehmverhalten erklären können. 

Im April 2026 wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature eine Studie der Forschungsgruppe des 23andMe Research Institute veröffentlicht. In der Studie wurde untersucht, warum Menschen unterschiedlich stark auf GLP-1-Medikamente reagieren. Es wurden fast 28.000 Menschen genetisch untersucht, die entweder ein Semaglutid, also Wegovy oder Ozempic, oder ein Tirzepatid, also Mounjaro, anwenden. 

Die Studie hat zwei wichtige Ergebnisse:  

  1. Das GLP-1-Gen hat verschiedene Varianten, von denen eine mit höherem Gewichtsverlust verbunden ist. Trägt man diese Gen-Variante, verliert man im Schnitt 0,76 kg mehr pro Kopie des Gens. Das klingt wenig, kann aber im Verhältnis zum durchschnittlichen Gewichtsverlust 10 % Unterschied ausmachen. Je nach Genetik und anderen Faktoren (Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen) variiert der erwartete Gewichtsverlust zwischen 6 und 20 %. In klinischen Studien zeigte sich bisher, dass 10–15 % der Menschen sogenannte „GLP-1 Non-Responder“ sind, also bei der Anwendung weniger als 5 % Körpergewicht verlieren. Diese Studie bietet dafür erstmals einen biologischen Erklärungsansatz. 

  2. Das GIPR-Gen beeinflusst das Risiko für Übelkeit und Erbrechen. Eine Variante des GIPR-Gens ist mit einem höheren Risiko für Übelkeit verbunden. Das ist jedoch nur bei Mounjaro der Fall, nicht bei Wegovy oder Ozempic. Das Risiko variiert je nach Genetik und anderen Faktoren zwischen 5 und 78 %.

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Was bedeutet das in einfachen Worten? 

GLP-1-Medikamente haben einen bestimmten Wirkmechanismus im Körper, für den die Genetik eine wichtige Rolle spielt. Der Körper hat einen Andockpunkt für GLP-1-Medikamente, den GLP-1-Rezeptor. Wie gut das Medikament dort andockt, hängt davon ab, wie der Rezeptor gebaut ist und das bestimmen die Gene. Das Medikament ist wie ein Schlüssel und der Rezeptor wie ein Schloss. Bei manchen Menschen passt der Schlüssel perfekt. Bei anderen ist das Gen minimal anders geformt – der Schlüssel funktioniert trotzdem, aber nicht ganz so gut.

Das erklärt, warum manche Menschen schon bei niedrigen Dosen stark abnehmen und andere erst auf höheren Dosen Erfolge sehen. Mounjaro wirkt auf zwei Rezeptoren – es kommt also noch ein zweites Schloss dazu: der GIP-Rezeptor. Wenn das GIP-Schloss eine bestimmte Form hat, ist das Risiko für Übelkeit höher. 

Genetik ist nicht alles: Was den Erfolg sonst beeinflusst 

Die Studie hat einen Teil der Faktoren erklärt, die Unterschiede in der Gewichtsabnahme durch GLP-1-Medikamente ausmachen – aber es gibt noch andere Faktoren, die den Erfolg beeinflussen.

  • Geschlecht: Frauen verlieren bei einer GLP-1-Behandlung tendenziell mehr Gewicht als Männer. Der Grund sind vermutlich Hormonunterschiede und Unterschiede in der Körperzusammensetzung zwischen Männern und Frauen; das ist jedoch noch nicht vollständig erforscht. 

  • Ausgangsgewicht und BMI: Menschen mit einem höheren Ausgangs-BMI verlieren absolut betrachtet mehr Kilogramm, aber prozentual ähnlich viel wie Menschen mit niedrigerem BMI. 

  • Typ-2-Diabetes: Menschen mit Typ-2-Diabetes verlieren in der Regel etwas weniger Gewicht als Menschen ohne Diabetes. Ein Grund ist vermutlich die komplexere Stoffwechsellage.

  • Ernährung und Bewegung: Auch während einer GLP-1-Behandlung spielt der Lifestyle eine Rolle beim Abnehmen. Studien zeigen es immer wieder: Wer Ernährung und Bewegung parallel anpasst, erzielt mit der Behandlung bessere Ergebnisse.

  • Therapietreue und Dosierung: Nicht alle Menschen erreichen die Maximaldosis und das ist okay. Doch wer früh abbricht oder die Dosis zu schnell oder zu langsam erhöht, sieht in den meisten Fällen weniger Ergebnisse.

  • Dauer: Manche Menschen reagieren erst nach 3 bis 4 Monaten. Ein zu frühes Abbrechen wegen ausbleibender Ergebnisse verhindert mögliche Erfolge.

Genetik ist für die Wirksamkeit der GLP-1-Therapie also relevant, aber es gibt auch andere wichtige Faktoren – und die meisten kann man selbst beeinflussen.

Gentests: Kann ich vorhersagen, ob GLP-1 bei mir wirkt?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind in Deutschland noch keine Gentests für das Ansprechen auf GLP-1 verfügbar, aber das kann noch kommen. In den USA wird ein solches Abschätzen des Gewichtsverlustes und des Übelkeitsrisikos vom 23andMe-Institut innerhalb eines 499-$-Pakets angeboten. Auch in Deutschland könnte dies bald möglich sein, es ist jedoch noch Geduld nötig.

Außerdem betonen die Forschenden, dass Gentests allein keine Entscheidung für oder gegen eine GLP-1-Behandlung ermöglichen. Sie können als Puzzleteil bei der Entscheidung helfen, bilden aber nur einen von vielen entscheidenden Faktoren ab.

Trotzdem lohnt es sich, mit dem Arzt oder der Ärztin über die individuelle Situation zu sprechen, denn auch ohne Gentests gibt es mögliche Veränderungsoptionen, wenn man nach 3 bis 4 Monaten kaum Ergebnisse sieht. Eine Dosisanpassung, das GLP-1-Medikament wechseln oder begleitende Maßnahmen könnten dabei helfen.

Was tun, wenn GLP-1 nicht so gut wirkt?

Wer bislang mit Mounjaro oder Wegovy keinen Gewichtsverlust erzielt hat, darf auf einige Handlungsoptionen hoffen, die den Weg zum Ziel ermöglichen können. Auch wenn langes Warten auf Ergebnisse frustrierend ist, sollte man nicht zu früh aufgeben. Viele Menschen sehen erst nach 4 bis 6 Monaten Ergebnisse. Geduld lohnt sich also! 

Außerdem sollte geprüft werden, ob die Dosis optimal ist. Nicht jede:r benötigt die Maximaldosis, aber in manchen Fällen ist sie sinnvoll. Auch ein Wechsel der Medikation kann helfen. Wegovy und Mounjaro wirken über leicht unterschiedliche Mechanismen, weshalb man auf das jeweils andere Medikament vielleicht besser reagiert.

Egal welches Medikament, die Ernährung spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle beim Abnehmen. Ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige kleine Mahlzeiten und eine tägliche Proteinzufuhr von mindestens 1,2g/kg Körpergewicht sind ideal. Auch Bewegung ist entscheidend; besonders Krafttraining schützt die Muskeln und erhöht den Grundumsatz. 

Lass Begleiterkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Insulinresistenz oder eine kontraproduktive Medikamenteneinnahme abklären, die den Gewichtsverlust bremsen können. Die ärztliche Begleitung ist essentiell. Regelmäßige Kontrolltermine können Ergebnisverbesserungen ermöglichen, bevor Frustration entsteht.

FAQ: Genetik und GLP-1

Nein, so einfach ist die Entscheidung nicht. Auch Menschen ohne die perfekte Genvariante können durch GLP-1 Gewicht verlieren, wenn auch im Durchschnitt etwas weniger. Die Studie zeigt Wahrscheinlichkeiten, keine Garantie, bei wem es funktioniert und bei wem nicht. Die Entscheidung für oder gegen GLP-1 solltest Du individuell mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin treffen.

In der Studie haben Menschen, die Mounjaro anwenden, etwas mehr Gewicht verloren als Wegovy-Nutzer:innen, nämlich 4,75 vs. 3,71 BMI-Punkte. Es hängt jedoch von Deiner individuellen Reaktion, Deinen Begleiterkrankungen und Deiner Verträglichkeit ab, welches Medikament für Dich besser geeignet ist. Die Entscheidung zwischen den zwei Medikamenten kann also nicht allein aufgrund der Studienergebnisse getroffen werden.

In der klinischen Praxis gibt es Gentests in Deutschland so noch nicht. Die 23andMe-Tests sind in Deutschland nicht verfügbar. Aber die Forschung entwickelt sich schnell — in den nächsten Jahren könnten pharmakogenetische Tests auch in Deutschland verfügbar werden.

Am wichtigsten ist Geduld! Aber auch eine konsequente Einnahme, ergänzende Lifestyle-Maßnahmen wie Ernährung und Bewegung und regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig. Wenn nach 3–4 Monaten kaum Fortschritte sichtbar sind, sprich mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin über eine Dosisanpassung oder eine Medikamentenwechsel. Du bist nicht auf Dich allein gestellt, wenn das Medikament nicht sofort optimal wirkt.